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Ausstellungen: Hannover · von Michael Stoeber · S. 254 - 255
Ausstellungen: Hannover , 2015

Michael Stoeber
Auszeit

»Vom Faulenzen und Nichtstun«
Sprengel Museum Hannover, 29.5. – 30.8.2015

Diese Ausstellung greift eines der brennenden Probleme der Gegenwart auf. Wo im Spätkapitalismus durch das Internet der Zugriff auf den arbeitenden Menschen rund um die Uhr möglich geworden ist, sind Fragen nach Ruhe und Muße hochgradig aktuell. Schon in der Morgendämmerung des Kapitalismus propagierte der französische Arzt und Denker Paul Lafargue, Schwiegersohn von Karl Marx, in einer berühmt gewordenen Schrift aus dem Jahre 1880 „Das Recht auf Faulheit“. Dabei stand ihm keineswegs ein generelles Nichtstun als Ideal vor Augen, sondern ein weniger Tun. Verwundert konstatierte er die zu seiner Zeit um sich greifende „Liebe zur Arbeit, die rasende, bis zur Erschöpfung der Individuen und ihrer Nachkommenschaft gehende Arbeitssucht“ und kritisierte die mit den neuen Produktionsverhältnissen einhergehende Arbeitsintensität. Vom Inhalt her klingt das, als sei es heute geschrieben worden, da der Computer für eine ständige Verfügbarkeit der Menschen im Arbeits- wie im Privatleben sorgt und das „Abschalten“ im doppelten Sinne so wichtig erscheint wie nie zuvor – als „offline“ sein, und damit nicht erreichbar, und als Möglichkeit, seinen Gedanken eine andere, nicht fremd bestimmte Richtung zu geben.

Was Dörthe Wilke in der von ihr kurartierten, sehenswerten Schau im hannoverschen Sprengel Museum zeigt, sind etwa 120 Exponate aus der Sammlung des Hauses: Grafiken, Zeichnungen, Fotografien, Plakate und Skulpturen, flankiert von drei geschickt ihr Ausstellungsthema stützenden Leihgaben. Eine davon lenkt bereits im Außenraum die Aufmerksamkeit des Betrachters auf die Präsentation im Innenraum. Auf einem PVC-Banner des Schweizer Künstlers Omar Alessandro aus den Jahren…



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