Titel: Künstlerpaare · S. 151
Titel: Künstlerpaare , 1990

Bader & Tanterl

Ohne den Mythos, man weiß es, gäbe es keine Kunst. Sie lebt von ihm. Ihn sich bewußt zu machen, ist ein zentraler Anspruch der Avantgarde, und sie bewältigt diese Aufgabe entweder affirmativ oder sie seziert.

Angelika Bader (geb. 1953 in München) und Dietmar Tanterl (geb. 1956 in Dietzen/Österreich) arbeiten seit 1979 gemeinsam daran, den Mythos als Metasprache zu vermitteln, als „zweite Sprache, in der man von der ersten spricht“ (Roland Barthes). In den Lösungen, die sie dabei finden, hinterfragen sie vor allem gezielt die visuell verfestigten, quasi emblematischen Strukturen unserer Kommunikationsformen. Aus dem Gedanken, rhetorische und suggestive Tricks der modernen Bilddemagogie auf- zudecken, indem allerlei erprobte (oder attraktiv zu denkende) Bedeutungsträger aus alten Systemen herauspräpariert und eventuell zu neuen, sinnlos-sinnigen Kombinationen formiert werden, entstanden sehr unterschiedliche ästhetische Konzepte, darunter die derzeit jüngste Arbeit (1989), die Serie „Clans“. Großformatige Cibachrome-Abzüge zeigen 20 verschiedene Webmuster schottischer Karostoffe: Tartans. Die Titel der einzelnen Arbeiten legen über das konstruktivistische, textile Liniengeflecht einen Sinn, ja personalisieren die einzelnen Bilder. Namen wie „Anderson“, „Kennedy“ und „MacBeth“ identifizieren den eichengerahmten Stoffausschnitt mit alten Adelssippen des schottischen Clan-Systems, welchen für ihre Nationaltracht jeweils spezifische Tartans zugeordnet waren. Ein Teil der Garderobe übernimmt also eine heraldische Funktion, wobei der Fadenlauf des Stoffs für die Codierung zuständig ist. Das Lesen dieser chiffrierten Geometrie obliegt – wie bei den Balkencodes auf Supermarktartikeln – allein dem instruierten Auge. In der Ausstellung der Galerie Six Friedrich in München, zu der ein Grundriß der Räume auslag, in den die Bildtitel sowie die Mottos…

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