Titel: Künstlerpaare , 1990

White & Siegenthaler

Die Engländerin Gillian White (geb. 1939 in Orpington/Kent) und der Schweizer Albert Siegenthaler (geb. 1938 in Endingen/Aargau) lernten sich 1960 in Paris kennen. Beide studierten (bis 1963) bei Ossip Zadkine und René Collamarini an der Ecole Nationale des Beaux Arts. Gillian White war zu diesem Zeitpunkt bereits Absolventin der St. Martins School of Art, wo damals unter anderen Anthony Caro und Elisabeth Frink unterrichteten, und der Central School of Arts in London. Albert Siegenthaler kam als ausgebildeter Steinbildhauer mit einigen Jahren Berufserfahrung nach Paris. Die gemeinsame Studienzeit prägte die Entwicklungen beider Künstler, wobei sich die unterschiedlichen Herkünfte klar manifestierten.

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Von 1965 bis 1967 lebt das seit 1962 verheiratete Paar in London, was den Einfluss der zeitgenössischen englischen Plastik im Schaffen beider Künstler deutlich verstärkt. Albert Siegenthaler arbeitet als Restaurator und besucht das Royal College of Art. Sein freies Schaffen löst sich endgültig vom Figürlichen und findet über gerundet-konstruktive Holzplastiken zu vielteiligen Konstrukten aus bemaltem Stahlblech (1965). Gillian White reduziert ihre künstlerische Tätigkeit, ohne sie freilich ganz aufzugeben; 1963 und 1965 kommen die beiden Kinder des Künstlerpaares zur Welt. Die Betreuung ist Sache der Frau. Die Chance, auf der Basis äquivalenter Ausbildung ein in allen Teilen gleichberechtigtes Familien- und Künstlerleben zu führen, wird mangels entsprechender gesellschaftlicher Bewusstseinsentwicklung nicht realisiert, was (noch) dem Geist der Zeit entspricht. 1967 siedelt das Ehepaar Gillian White und Albert Siegenthaler (sie behält ihren Mädchennamen konsequent bei) in die Schweiz über. Die grosszügigen Wohn-/Werkstatt-Verhältnisse in Stilli im Kanton Aargau erlauben es nun auch Gillian White wieder,…

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