Nachrichtenforum: Biennalen , 2004

Documenta 12

Manch einer behauptet ja, er hätte weißen Rauch über dem Fridericianum aufsteigen sehen. Da mag wohl die Fantasie ein wenig mit gespielt haben. Gleichwohl – die Findungskommission (René Block, Manuel J. Borja-Villel, Susanne Ghez, Ulrike Groos, Gavin Jantjes, Shinji Kohmoto, und Anda Rottenberg) ist fündig geworden und hat ihre Vorstellungen kundgetan: Roger-Martin Buergel soll künstlerischer Leiter der documenta 12 im Jahr 2007 werden. Der Aufsichtsrat der documenta ist dieser Empfehlung gefolgt und hat sich einstimmig für den in Wien lebenden Berliner entschieden. Eine Wahl, die für allgemeine Überraschung gesorgt hat, denn sie ist alles andere als populär: Buergel ist bislang nur in wirklich gut informierten Kunstkreisen bekannt. Der heute 41-jährige studierte Kunst, Philosophie und Wirtschaftswissenschaften in seiner Heimatstadt Berlin und in Wien, wo er als Kritiker, freier Kurator und Autor (u.a. für die Kunstzeitschrift ,springerin‘) seit zwei Jahrzehnten lebt. Ende der 1980er Jahre arbeitete er auch als Privatsekretär für Hermann Nitsch. Buergels kuratorisches Werk ist klein, mit Großprojekten hat er bislang kaum Erfahrungen gemacht. Seine Ausstellungen haben politischen Anspruch, gelten aber auch als Bekenntnisse zur Ästhetik. Buergel kuratierte u.a. „Dinge, die wir nicht verstehen“ (2000, Generali Foundation Wien), „Governamentality. Kunst in Konflikt mit er internationalen Hyper-Bourgeosie und dem nationalen Kleinbürgertum (2000, Kestner Gesellschaft Hannover), „Formen der Organisation“ (2003, Galerie der Bildenden Künste Leipzig) und „Die Regierung“ (2003, Kunstgalerie Lüneburg). Die angesehene Menil Foundation in Houston zeichnete Buergel unlängst mit dem erstmals vergebenen „Walter Hopps Award for Curatorial Achievements“ aus. Den anlässlich der Preisverleihung gehaltenen Vortrag „Was ist eine Ausstellung?“…

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von Susanne Boecker

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