Titel: Kunst und Ökologie · S. 87
Titel: Kunst und Ökologie , 1988

Rupert Riedl

Bildende Kunst, Ökologiebewegung und Menschliche Universalien

Ein Gespräch über „Kunst und Ökologie“ will mit Umsicht geführt werden. Der dringlichen Aufforderung, mich an diesem zu beteiligen, komme ich zögernd nach und mit Bedenklichkeit.

Dies hängt zum Teil mit der Voraussicht auf Sprachschwierigkeiten und jene Emotionen zusammen, die ein Gespräch in der gegebenen Konstellation belasten werden. Mehr aber noch mit der Unsymmetrie der zu vergleichenden Gegenstände: ‚Kunst‘, hier im Sinne einer Kunst im Umfeld von Beuys und des Konstruktivismus, ‚Ökologie‘ im Sinne von systemischer Umweltbetrachtung, Wertewandel und Grünbewegung.

Man wird diese Unsymmetrie bereits vor Augen haben, wenn man sich erinnert, daß die künstlerische Weltdeutung, neben der metaphysischen und der wissenschaftlichen, Jahrtausende hindurch für eine der tragenden Säulen oder Orientierungshilfen einer Kultur gehalten wurde oder noch immer gehalten wird. Daß demgegenüber die Ökologische Bewegung, von einer Art moralischer Einkehr oder Abklärung getragen, Naturverantwortung von der Kultur erst seit zwei Jahrzehnten verlangt, indem sie sich gegen die Spätfolgen der Aufklärung wendet, gegen die Idee, den Menschen vor allem durch das Machbare glücklich zu machen, eine Idee, die selbst erst zwei Jahrhunderte alt ist.

Was Kunst und Ökobewegung gemeinsam ist, mag der Anspruch der beiden sein, Beiträge zur Kultur zu leisten. Was sie trennt, ist, neben ihrem Alter, die Art, in welcher sie ihre Aufträge herleiten, rechtfertigen und in der Kultur angewendet sehen wollen.

Ein Gespräch über ‚Kunst und Ökologie‘ kann darum am Begriff der Kultur beginnen: Also an den „typischen Lebensformen einer Bevölkerung einschließlich der sie tragenden Geistesverfassung, besonders der Werteinstellungen“, wie der ‚Brockhaus‘ geschickt belehrt.

Es geht also…

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