Titel: Kunst und Ökologie · S. 150
Titel: Kunst und Ökologie , 1988

Rhea Thönges-Stringaris

Eine andere Lage von Kraft und Energie

Zum Kunst- und Kulturbegriff von Joseph Beuys

»Ideen leben in Menschen fort, während sie in Kunstwerken erstarren und schließlich absterben.«
Joseph Beuys

Während der gestrigen Diskussion um den ausweglosen Streit Nitsch contra Hundertwasser hätte leicht die Frage aufkommen können, warum eine Veranstaltung, die das Kunstverständnis in der Ökologiebewegung klären will, Joseph Beuys einen besonderen Platz einräumt. Wohl nicht allein, weil Beuys eine überragende Künstlerfigur ist; sicher nicht bloß, weil er ein ökologisch engagierter Künstler war – deren gibt es viele; und bestimmt auch nicht, weil er, wie man immer wieder mißverständlich meint, eine ‚Botschaft‘ zu verkünden hatte. Der Grund, warum Beuys in diesem Kontext heute von Bedeutung ist, liegt meines Erachtens darin, daß es ihm, gerade weil er es sehr ernst meinte mit der Kunst, um die Zusammenhänge über die Kunst hinaus ging. In diesem Feld muß er etwas herausgefunden haben, was viele – und nicht allein kunstinteressierte – Zeitgenossen als stimmig und für sie verbindlich empfinden. So stellt beispielsweise John Cage nüchtern fest: »Die Kunst des 20. Jahrhunderts hat eine sehr, sehr gute Arbeit geleistet. Welche Arbeit? Die Augen der Leute zu öffnen, die Ohren der Leute zu öffnen. Was Besseres hätte man denn machen können? Aber jetzt müssen wir unsere Aufmerksamkeit anderen Dingen zuwenden, und diese Dinge sind sozial.«‘ Demnach handelt es sich hier weniger um eine Botschaft, als um eine einer naturwissenschaftlichen Formel gleichkommende Entdeckung: um ein Arbeitsergebnis, das zu überprüfen wäre. Auf jeden Fall kommt das, was da als Gefundenes vorliegt…

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