Titel: Kunst und Ökologie · S. 205
Titel: Kunst und Ökologie , 1988

Werner Fenz

Künstler und Modell oder Wie authentisch ist die Kunstwirklichkeit?

Generell wird heute der Verlust der Identität von Kultur und Natur beklagt, so daß im einzelnen gar nicht darauf eingegangen werden kann. War diese Einheit wirklich noch vorhanden, als Dürer seinen Hasen und sein Rhinozeros malte und zeichnete? Er, der »alles, was da kreucht und fleucht« beobachtete und mit (natur)wissenschaftlicher Akribie malerisch analysierte,das Haustier ebenso wie das vielleicht exotischste unter allen, bekundete Interesse an Objekten unseres (damals wiet angewachsenen und erhellten) Lebensraumes. Von einer Einheit von Mensch und Natur zu reden, fällt selbst vor der vordergründig harmonischen Natur der Romantiker schwer. Das Aufgehen in der Welt beim Anblick des Meeres, das Öffnen zum abendlichen oder morgendlichen Licht zeigen Sehnsucht an, die Projektion einer Vollkommenheit in der Hingabe an die Natur. Aber nicht als Ist-Zustand, sondern als Wunsch, als Ideal. Auch Goethes Forderung, der Künstler habe parallel zur Natur zu gestalten, also eindeutig auf einem anderen Strang, schlägt in dieselbe Kerbe. Die Wege haben sich früher getrennt, als eine flüchtige Beobachtung vermuten läßt. Aber, muß man »zum Baum werden, um den Baum malen zu können«?

Der Realismus in einer weiteren, übergreifenden Definition kann das Bild der Welt nicht nur wiedergeben, sondern interpretieren und wird damit zu einem Prinzip künstlerischer Aneignung von Wirklichkeit.1 Dieses Prinzip gilt es im Zeitalter der Postmoderne gegenüber der introvertierten Nabelschau, den subjektivistischen Artefakten als Belegstücke einer Zeit des gesteigerten Irrationalismus2 ebenso abzugrenzen wie gegen »engagierte« Bildproduktionen, die dazu auf der Inhaltsskala, nicht aber auf der formal-darstellerischen einen wesentlichen Unterschied…

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