Titel: Transgene Kunst: Klone und Mutanten · von Birgit Richard · S. 74
Titel: Transgene Kunst: Klone und Mutanten , 2001

Birgit Richard

Bildschirm-Ausgeburten

„Monster sind Konstruktionen aus technischen Objekten, die man für beherrschbar und berechenbar hält. Das ist die Figur des Cyborg, die viele Postmoderne feiern. Hybride hingegen sind Mischungen aus menschlichen und nicht-menschlichen Wesen, die nicht beherrschbar, dynamisch sind. (…) Erst wenn wir technische Innovation sozialisieren, verwandeln wir Monster in Wesen.“ (Latour 2000, 68)

Die Unheimlichkeit der Begegnung mit dem vervielfachten Selbst wird häufig im Musikvideoclip thematisiert. Sie ist nicht bloß die logische Konsequenz der Notwendigkeit der Vervielfältigung des Stars als Produkt, das möglichst oft in Szene gesetzt werden soll, um es zu verkaufen. Die Clips enthalten entweder unbewusst oder als bewussten gestalterischen Akt einen Kommentar zu den Möglichkeiten der Vervielfältigung des Ich. In dem Video des Rappers Eminem „Real slim shady“ (2000) kehrt dieser dagegen seine Einmaligkeit und Originalität der von ihm verkörperten Kunstfigur gegenüber den Imitationen hervor. Hier stellen die Klone als schlechte visuelle Imitationen die „wahre“ Slim Shady Kunstfigur infrage und damit auch die „Ware“ Enimen. Das Original muss sich durch seine Fähigkeiten behaupten. Einmal wird die Frage nach der Einzigartigkeit und Reproduzierbarkeit des Idols gestellt. Andererseits wird auch mit der verführerischen Möglichkeit der Vervielfältigung über das Bild, also mit der visuellen Erprobung von Bildklonen, mit einer Armada der eigenen Person, gespielt. Damit zeigt sich hier auch der Wunsch nach der Unsterblichkeit des Stars im Bild.

Besonders dem Regisseur Chris Cunningham gelingen unterschiedliche Gegenwartsvisionen von Verdopplung und Klonen, anrührende, wie im Clip All is full of love 1999 von Björk, unheimliche, wie in Come to daddy von Aphex Twin 1997…

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