Monografie · von Noemi Smolik · S. 162
Monografie , 2001

NOEMI SMOLIK

PIA STADTBÄUMER

MENSCHLICHE KÖRPER –
ORTE DES MYSTERIUMS

„Ein Man und eine Frau, die zueinander hingezogen sind, verbinden sich durch Wollust. Die Kommunikation, die sie vereinigt, rührt von der Nacktheit ihrer Risse her. Ihre Liebe bedeutet nicht, daß der eine im anderen sein Wesen erblickt, sondern seine Wunde und das Bedürfnis, verloren zu sein: Es gibt keine größere Begierde als die eines Verwundeten für eine andere Wunde.“ Bataille, 1944

Zum ersten Mal sah ich Pia Stadtbäumers Skulpturen, die exakt nachgebildete Teile des menschlichen Körpers zeigten, im Jahre 1994 in der Kölner Galerie Johnen & Schöttle. Es waren zwei, von der Decke an einem Seil blau gefärbte menschliche Arme aus Wachs und Stoff, je drei weiße und schwarze Köpfe – aus welchem Material waren sie geformt? Sie ragten aus der Wand. Ebenfalls an der Wand befestigt war eine Platte – vielleicht eine Grabplatte – an der, nach unten hängend eine grau verfärbte menschliche Gestalt befestigt war. Die von der Decke hängenden zwei Arme waren überdimensional groß, die Köpfe und die „Grabplatte“ mit der an ihr befestigten Gestalt zu klein. Diese Skulpturen machten einen tiefen Eindruck auf mich, besser sie hatten mich nachhaltig beunruhigt. Gleichzeitig weck ten sie Neugier auf, die auf der einen Seite durchaus etwas von der Gier des Auges nach aus Fleisch gebildeten Formen des nackten menschlichen Körpers; nach den Rundungen und Falten der Pobacken, der Oberarme und der Weichheit des Busens hatte. Auf der anderen Seite riefen sie eine Scheu hervor, derer Grund ich nicht ausmachen konnte.

Diese dem Menschen…

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