Titel: Transgene Kunst: Klone und Mutanten · von Birgit Richard · S. 72
Titel: Transgene Kunst: Klone und Mutanten , 2001

Birgit Richard

Musikvideoclips:
Hort der Bild-Clone

Bevor die Motive in den verschiedenen Medien herausgearbeitet werden, gilt es kurz auf die zugrundeliegenden medialen Spezifika einzugehen, die die Bilder des Klons in Film und Musikvideo formen. Wie sieht die strukturelle Verbindung der beiden Medien Film und Video aus? Es gibt keine bruchlose Genealogie der Gestaltungselemente der Musikvideos aus der Formensprache der klassischen modernen Avantgarde (Weibel 1987). Die Interdependenzen zwischen den beiden Bildformen sind komplex und bestehen nicht in den Tatsachen des bewegten Bildes und des kommerziellen Kontexts. Eine oft selbstverständlich angenommene Intermedialität existiert nicht. Kinoleinwand und Video-Monitor zeigen in ihren Bild-Ton-Abläufen grundverschiedene Raum-Zeit-Verhältnisse. Offensichtlich wird der Unterschied am Phänomen der Rhythmisierung der Bilder. Während beim Kino eine mechanische Rhythmisierung der Bilder durch das apparatische Moment des Projektors vorherrscht, entsteht und zerfällt beim Video das Bild durch den schreibenden Kathodenstrahl. Das Videosignal projiziert kein Licht, sondern ein Bild von einem Bild (Paech 1994, S. 48) im Gegensatz zu dem im Projektor fixierten Bild beim Film. Die unterschiedlichen medialen Prinzipien zeigen sich auch daran, dass Musikvideos an jedem Abtastpunkt ein Pulsieren des Bildes selbst sind. Der Rhythmus wird zum figurativen Element und entsteht nicht mehr durch die Verbindung von figuraler Differenz in den Bildern und im Takt, sondern dessen Pulsieren verbindet sich mit Figuren musikalischer Schwingung.

Für Paech gilt die medienstrukturelle Prämisse, dass das elektronische Bild, das vom Kathodenstrahl erzeugt wird, nur in dem Punkt an die bildende Kunst anknüpfen kann, dass es die Bilder der Avantgarden simuliert und zerstört. Musikvideos stellen daher nur in einem…

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