Ausstellungen: Düsseldorf , 2000

Martin Pesch

Bridget Riley

»Selected Paintings 1961 – 1999«

Kunstverein für die Rheinlande und Westfalen,
Düsseldorf, 31.10.1999 – 9.1.2000

Wenn es je berechtigt war, das Betrachten von Gemälden mit dem Wort Schauen zu umschreiben, dann angesichts der Bilder Bridget Rileys. Nicht weil sich, schaute man nur lange genug in meditativer Stimmung hin, ein transzendenter Inhalt in religiösem oder mystischem Sinne, erschiene. Durch Rileys Malerei wird das Sehen vielmehr auf sich selbst zurück geworfen und als Perzeption bewusst – das Schauen könnte hier als Konterbegriff gegenüber dem Sehen verwendet werden, weil es nicht mehr um das Sehen von Etwas geht, sondern um das Bewusstwerden des Sehens im Prozess des Schauens.

Die Auswahl der Ausstellung „Se lected Paintings 1961 – 1999“ setzt an dem Punkt in Rileys Werk an, wo das figurative Element gerade noch zu erkennen, aber fast schon vom Interesse an der Frage verdrängt ist, was wir eigentlich sehen, wenn wir ein Gemälde anschauen. Riley antwortet darauf mit der Reduktion ihrer Mittel, das heißt mit der Verwendung einfacher Farbflächen und der Farben Schwarz und Weiß. Im Gemälde „Kiss“ (1961) wird das untere Drittel des Bildes von einer schwarzen Fläche bedeckt. Vom oberen Rand herab senkt sich eine ebenfalls schwarze Fläche, die mit einer Auswölbung bis dicht an die untere heranreicht. Es bleibt aber am nahesten Punkt eine weiße Trennlinie sichtbar, die nach rechts und links stärker werdend ausläuft. Durch den Titel des Gemäldes wird einerseits eine bestimmte Figuration und Dramatik suggeriert, andererseits aber nonchalant verdeutlicht, wie auf den ersten Blick nur das gesehen wird, was…

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