Gespräche mit Künstlern , 1992

Das Leben kopiert die Kunst

Amine Haase Sprach mit Wolf Vostell Anlässlich Seiner 6 Ausstellungen im Jahr Seines Sechzigsten Geburtstages

Wolf Vostell, 1932 in Leverkusen geboren, feiert seinen 60. Geburtstag mit einer Riesenausstellung in sechs Kapiteln, die sich über vier Städte in Nordrhein-Westfalen plus Mannheim ausbreitet. Der Künstler – Maler, Graphiker, aber ebenso Video-Pionier, Environment-Arrangeur und Fluxus-Aktionist – lebte in den sechziger Jahren in Köln. Diese Zeit der Entdeckung von Pop-art und der Erfindung des Happenings aus dem Geist der Musik hat in Köln im Frühjahr 1992 ein großes Ausstellungs-Revival. Kurz nach Eröffnung der Pop-art-Schau und kurz vor der Vernissage der Vostell-Kunstfeiern sprach Amine Haase in Köln mit Wolf Vostell.

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A.H.: Was macht die sechziger Jahre 1992 so interessant?

W.V.: Daß sich nichts geändert hat. Die ästhetische Verarbeitung unserer Welt als zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts ist noch in vollem Gange. Gerade auch in Köln gab es in den sechziger Jahren eine großartige Hervorbringersituation. Aber in Köln sind diese Hervorbringungen noch gar nicht ins Bewußtsein gelangt. Das heißt, das gleiche Problem, das wir bei der Gründung des Ludwig-Museums hatten, stellt sich heute wieder: Die Kölner Kunstszene hat im wesentlichen ihren Ruf mit dem Import amerikanischer Kunst begründet. Aber darüber hinaus hat sie nicht an der Pointierung ihrer eigenen Hervorbringungen gearbeitet. Und so ist die Situation im Ludwig-Museum noch heute.Gut, ich komme jetzt hinzu mit einem Einzelwerk, das sich in den letzten 30 Jahren entwickelt hat, und ich stelle das natürlich zur Diskussion. Ich stelle meine Entwicklung als Einzelkünstler gegen den amerikanischen Pop-Import -…

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