Gespräche mit Künstlern , 1992

Günther Uecker:

»Kann Fruchtbarkeit auf Asche gründen…?«

Von Heinz-Norbert Jocks

Günther Uecker, geboren 1930, aufgewachsen und erste Studienjahre in der DDR, Fortsetzung des Studiums und erste künstlerische Tätigkeit im Westen, dann in den 60er Jahren in der Gruppe ZERO, die den Anschluß an die internationale Avantgarde herstellte. Weltweites Aufsehen erregten seine Wagner-Bühnenbilder in Stuttgart und Bayreuth sowie seine Arbeiten auf der Documenta in Kassel (1968, 1977) und der Biennale in Venedig von 1970. 1988 stellte er als erster westlicher Künstler in Moskau aus. In Düsseldorf lebend, lehrt er an der Kunstakademie.

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H.-N. J.: Sie erzählten mir einmal, daß Sie als Kind, fasziniert von der Landschaft, vom Weg zur Schule abkamen. Lieber weideten sie sich an den Bewegungsabläufen weiter Getreidefelder. Sehen Sie da eine Beziehung zu Ihren Nagelfeldern im Sinne einer Abstrahierung von realen Wahrnehmungen?

G.U.: Das ist dann eigentlich erst später entstanden, nachdem ich in der Landwirtschaft gearbeitet hatte. In den Jahren zwischen dem 15. und 19. Lebensjahr habe ich ja bei meinem Vater in der Landwirtschaft gearbeitet. Da wird ja geeggt und gepflügt, und da gab es dann die Regel der Abstände zwischen den Pflanzen beim Aufwachsen. Das waren aber unbewußte Vorgänge, die ich vielleicht später aufgenommen habe, nachdem ich mich mit der Gregorianik beschäftigte und Reihensysteme in der Musik erkannte. Diese Möglichkeit der Wiederholung führt zu kontemplativen Umständen. Wenn man sich alleine beschäftigt, experimentell im Atelier mit Bildern, dann entsteht so etwas wie Gleichmut, und Gebetsvergleich auch. Da ich in der DDR atheistisch erzogen wurde, waren für mich Rituale sehr faszinierend: das Lesen…

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