Magazin: Museen & Institutionen · von Heinz Schütz · S. 367
Magazin: Museen & Institutionen , 1992

Heinz Schütz

Der Blaue Reiter

Neugestaltung der Räume im Lenbachhaus, München

Seit einem Jahr leitet Helmut Friedel als Nachfolger von Armin Zweite Münchens Städtische Galerie im Lenbachhaus. Ihr kunsthistorisches und damit auch kunsttouristisches Herzstück stellen ohne Zweifel die Bilder des Blauen Reiters dar. Eine fundamentale Umgestaltung der Ausstellungsräume fand nun statt. Mit ihr reagierte Friedel nicht nur auf funktionale und konservatorische Erfordernisse. Was die ästhetische Dimension der Renovierung anbelangt, eröffnet sich eine für zukünftige Museumsgestaltungen möglicherweise folgenreiche Perspektive.

Was geschah? Die Teppichböden wurden durch dunkles Parkett ersetzt. Die einzelnen Räume erhielten dadurch Prägnanz und „Boden“. Entscheidender jedoch ist die farbige Gestaltung der Wände, die sich im ersten Stock zu einer Art Gesamtinszenierung fügt: Im Treppenhaus bildet eine Deckenmalerei Ulrich Horndashs – sie befindet sich zur Zeit noch in Arbeit – den Auftakt. Ausstellungsräume mit Wänden, deren Weiß gedämpften Farbtönen wich, schließen sich an. Sie führen von Leibl über Corinth und Jugendstil zum „Blauen Reiter“: Der erste Raum mit frühen Bildern Kandinskys hält sich noch mit zartem Gelb zurück.

Der nächste Raum mit Bildern aus der expressionistischen Phase strahlt bereits in intensivem Blau. Die Grundfarben Blau, Gelb und Rot bestimmen jeweils einen der drei mittleren Räume. Sie werden auf beiden Seiten symmetrisch flankiert von je drei Räumen mit der Farbabfolge Grau, Orange respektive Blau, Grau. Fragen stellen sich, etwa: Wie weit läßt sich die farbige Gestaltung der Wände historisch legitimieren? Die Presseinformation des Lenbachhauses verweist auf die ersten Ausstellungen des „Blauen Reiters“, in denen die Wände dunkel bespannt waren, und auf die farbigen Demonstrationsräume des Bauhauses….

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