Monografie · von Paolo Bianchi · S. 218
Monografie , 2006

Paolo Bianchi

Der Doppelblick

Die Kunstproduktion Von Jürgen Messensee im Dialog mit Elfriede Jelineks Rezeption

Im selben Boot

„Wir Frauen müssen alle durch die männliche Beurteilungsschleuse, und die da bestehen wollen, erreichen das nicht durch Leistungen irgendwelcher Art, sondern müssen sich auf den Markt der Körper werfen. Ich hab früher oft so als Witz erzählt, ob man Nobelpreisträgerin ist oder eine sechzehnjährige Schülerin, ist ganz egal, entweder die Männer pfeifen einem nach, oder sie rufen einem ,fette Sau‘ hinterher. Jetzt bin ich selbst Nobelpreisträgerin. Aber das erhöht meinen Wert in den Augen der Männer nicht, eher im Gegenteil. Ich werde dadurch für sie noch monströser.“

Die Schwedische Akademie hat die Vergabe des Nobelpreises an Elfriede Jelinek unter anderem damit begründet, dass sie es als „unerschrockene Gesellschaftskritikerin“ versteht, „das Unvermögen der Frau“ zu beschreiben, „in einer Welt zum Leben zu gelangen, in der sie von stereotypen Bildern zugedeckt wird“. Zugedeckt von Männerbildern, denn das Bild der Frauen wird den von Männern bestimmt.

„Ich bin ja nicht Feministin, weil ich Männer bekämpfe, die Frauen verprügeln und vergewaltigen. Dass man dagegen ist, ist ja klar. Ich bin Feministin, weil dieses erdrückende phallische, phallokratische Wertsystem, dem die Frau unterliegt, über alles gebreitet ist. Die Unterwerfung unter das taxierende männliche Urteil ist für mich eine ewige narzisstische Kränkung.“ Auf die Zwischenbemerkung, dass heute auch Männer von Frauen taxiert werden, reagiert die Schriftstellerinnen ganz als Österreicherin: „Gut, ich kann sagen, der Mann ist ein Schlappschwanz, ein lächerliches Männchen wie unser Bundeskanzler Schüssel oder der Jörg Haider, der ist ja auch klein und…

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