Ausstellungen: München , 2013

Heinz Schütz

Die Kulisse explodiert

»Frederick J. Kiesler, Architekt und Theatervisionär«

Museum Villa Stuck, München, 27. 3. – 23.6.2013

Die Moderne wandte sich dem Neuen, Unerforschten, Grenzüberschreitenden zu und entwickelte hoffnungsvoll Utopien und Visionen. In der postmodernen Gegenwart hat sich der zukunftsfrohe Blick erschöpft. Das aufs geschichtsphilosophisch Ganze zielende Laboratorium der Moderne schrumpfte zum partikularen Reparaturbetrieb, der auf Rettung, Erhalt und Durchsetzung bedacht ist, aber den totalitären Auswirkungen der neuen Technologien und kapitalistischen Exzesse keine neue umfassende Perspektive entgegenzusetzen vermag. Mit Frederick Kiesler – er wurde 1890 im damaligen österreich-ungarischen Czernowitz geboren, er studiere in Wien und lebte ab 1926 in New York – wird ein universalistischer und visionärer Gestalter erneut ins Blickfeld gerückt. Vor der Folie postmoderner Gegenwart erscheint seine mit dem Überlieferten brechende, auf die Zukunft gerichtete Geisteshaltung wie ein aus der Vergangenheit herüberreichender, geschichtsoptimistischer Hoffnungsschimmer, der zum Visionären ermuntert, aber auch als Aufforderung zur kritischen Reflexion verstanden werden kann: Was ist aus den einstigen Utopien geworden?

Die von Barbara Lesák kuratierte, in einer Zusammenarbeit von Österreichischem Theatermuseum, Museum Villa Stuck, La Casa Encendida und Kiesler-Stiftung entstandene Ausstellung, klammert die Frage nach der Bedeutung des Visionären in utopiearmen Zeiten aus, dafür gibt sie einen profunden Einblick in den, wie man nach Besichtigung der Ausstellung geneigt ist zu sagen, wohl wichtigsten Teilaspekt von Kieslers Arbeit: das Theater. In bisherigen Einzelausstellungen wurde Kiesler insbesondere als Architekt, Maler und Skulpteur gewürdigt, nun wird deutlich, welche bedeutende Rolle das Theater in Kieslers Arbeitsspektrum spielt – er befasst sich mit Theaterarchitektur und Bühnenbild, Hausbau und Urbanistik, mit Malerei,…

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von Heinz Schütz

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