Titel: Das Neue Ausstellen · S. 194
Titel: Das Neue Ausstellen , 2007

Martin Rohr

Displays zwischen Ratio und Emotion

Das Inszenieren von Autos in kommerziellem Auftrag

Autoshows sind nichts anderes als inszenierte Parkplätze, behaupten böse Zungen. Die Unverwechselbarkeit eines Messestandes im kompetitiven Umfeld einer Automobilshow ist jedoch für den Verkaufserfolg eines Fahrzeugherstellers entscheidend – unabhängig von den Produkten. In diesem Sinne formen inszenierte Räume und sinnlich erfahrbare Geschichten kühle Technik zu einem Objekt der Begierde, an das sich der Besucher lange erinnern soll.

Der Besucher kostet 60 Euro

Es mangelt nicht an Möglichkeiten, eine Automesse zu besuchen. Sie bieten sich überall und jederzeit. Jährlich finden rund vierzig große internationale Messen statt; die exklusivsten in Detroit, Genf, Frankfurt, Paris und Tokio. Immerhin noch zur B-Klasse der Autoshows gehören Brüssel, Amsterdam, Madrid, Stockholm, Birmingham und Shanghai. Unzählig sind schließlich die nationalen Messen wie in Wien oder Graz.

Autos werden ausgestellt seit es sie gibt. 1949 war das Fernsehen noch kein Massenmedium. Daher suchte der damals größte Fahrzeughersteller General Motors nach einem Weg, seine Produkte einem möglichst breiten Publikum zu präsentieren. Er ahnte damals bereits, dass ein Produkt den potenziellen Käufern näher gebracht werden kann, indem es inszeniert wird. In der als Motorama konzipierten Show wurden die Fahrzeuge nicht einfach ausgestellt, sondern vielmehr in Szene gesetzt. Die Automobile drehten sich auf rotierenden Bühnen. Lichteffekte, künstlicher Nebel und tänzerische Showeinlagen verwandelten die blechernen Straßenkreuzer in begehrenswerte Darsteller einer fremden und faszinierenden Welt. Das Motorama wurde ein voller Erfolg. Diese reisende Autoausstellung gastierte zwischen 1949 und 1961 in acht US-amerikanischen Städten und lockte über zehn Millionen Besucher an. Das war der Beginn der…

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