Biennalen: Sharjah Biennale · von Tanja Klemm · S. 214
Biennalen: Sharjah Biennale , 2007

Tanja Klemm

Ökosophie im Nahen Osten: Die 8. Biennale in Sharjah

Still Life. Art, Ecology and the Politics of Change – 4. April bis 4. Juni 2007.

Fotorundgang: Wolfgang Träger

In Doha, der Hauptstadt von Qatar, einem der reichsten Länder der Welt und Sitz des Zentralkommandos der US-Streitkräfte im Nahen Osten, landen wir zwischen. Zurück im Flugzeug in Richtung Dubai blättern wir uns durch schwere Zeitschriften, aus denen uns Werbeanzeigen künstlich aufgeschütteter Inseln in Halbmond- und Hufeisenformen entgegenglänzen. „Enduring perfection“: Wohnsiedlungen südlich von Bahrain als Sozialutopien mit Schiffsanlegestellen. „The Palm Islands“, die noch im Bau begriffenen ersten künstlichen Inseln an der Küste vor Dubai haben einen Immobilientrend gesetzt, auch wenn dort jetzt schon aufgrund der geringen Abstände zwischen den ‚Palmwedeln’ das Wasser nicht abfließen kann und auf diese Weise insulare Kloaken entstehen. Und auch die „Insel des Glücks“ bei Abu Dhabi, der Hauptstadt der insgesamt sieben Arabischen Emirate, wird das Verhältnis von Welt und Landkarte umkehren und eine nahöstliche Idealstadt konstruieren – ein Kunst-Konsum-Biotop, gestaltet von importierten internationalen Star-Architekten. Sozialität wird hier heißen, zwischen Shopping Malls, Hotels und eingängiger Symbol-Architektur zu wandeln, die vorwiegend westliche Kunst birgt.

Sharjah liegt als drittgrößtes Arabisches Emirat etwa fünfzehn Kilometer von Dubai entfernt – der Übergang vom einen in das andere Emirat ist nicht wahrnehmbar. An verglasten und mit ornamentalen Mustern versehenen Hochhausfassaden und an Kränen neben Rohbauten drückt man sich in großen Autos auf mehrspurigen Straßen vorbei. Draußen arbeiten indische und pakistanische Arbeiter auf Dächern und Straßen, mit verhüllten Gesichtern wegen des feinen Staubes und der Abgase. Dazwischen…

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