Titel: 54. Biennale Venedig , 2011

Michael Hübl

„Double bind“, grün-weiß-rot

Der italienische Pavillon zwischen Ramschladen und Denkanstoß

Italien: Padiglione Italia: Lo Stato dell’Arte nel 150° dell’Unita d’Italia: l’Arte non e Cosa Nostra. Kommissar: Antonia Pasqua Recchia. Kurator: Vittorio Sgarbi. Ort: Arsenale, Tese und Giardino delle Vergini

Porno? Post-Avantgarde? Appropriation Art? Oder war die Performance einfach nur putzig, mit der die Italien-Halle der Biennale di Venezia eröffnet wurde? Auf zwei Konstruktionen, die überdimensionierten Sesseln nachempfunden waren, räkelten sich da ein nackter Mann, dort eine nackte Frau. Er schlank, weder zum anabolischen Muskelprotz aufgepäppelt noch von Magersucht ausgezehrt, sie vollbusig, weich, aber nicht üppig oder füllig. Sie freundlich, ja warmherzig lächelnd, er betont entspannt – so posierte das (von kleineren Tätowierungen abgesehen) naturbelassene Duo auf seinen Hochsitzen. Diese glichen mit ihren giebelbekrönten Rückenlehnen Thronen, die jedoch statt mit Gold , Silber und Edelsteinen geschmückt zu sein, von einem pastellfarbenen Geschlängel aus Polyurethan überwuchert wurden: Nicht auszuschließen, dass es bei mancher Besucherin, manchem Besucher Assoziationen an ein infinitesimales Gewusel aus aufgeblasenen und überdehnten Präservativen auslöste. Nun hat schon Yves Klein vor einem halben Jahrhundert nackte Frauen zu Kunstobjekten erhoben, indem er sie öffentlich als Instrumente des Farbauftrags einsetzte. Spätestens seit damals können Nacktheit und die Präsenz unbekleideter Körper als feste Größen künstlerischer Praxis gelten, und so wäre es lächerlich, angesichts der beiden Freikörperdarsteller den Begriff Pornografie überhaupt auch nur in Erwägung zu ziehen – wäre nicht zumindest der weibliche Part, Vittoria Risi, im Erotik-Business tätig und stünde da nicht, mit dem Edding rasch mal wie die jüngsten Preise auf dem Bauernmarkt…

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von Michael Hübl

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