Titel: 54. Biennale Venedig · von Susanne Boecker · S. 239
Titel: 54. Biennale Venedig , 2011

Armenien

Mher Azatyan, Grigor Khachatryan, Astghik Melkonyan – Manuals: Subjects of New Universality. Kuratoren: Ruben Arevshatyan, Vardan Azatyan, Nazareth Karoyan. Ort: Collegio Armeno Moorat Raphael, Ca’ Zenobio, Dorsoduro 2596

Diesen Sitzungssaal hätte man im Seitenflügel des Palazzo Zenobio nicht erwahrtet. Der scheußliche Konferenztisch, die zehn Stühle mit billigen braunen Plastikpolstern und der mausgraue Teppichboden wollen so gar nicht in den historischen, holzvertäfelten Raum passen. Eine dichte Reihe weißer Calla dient als repräsentativer Tischschmuck, wobei die Zimmerpflanzen recht bieder wirken und bei möglichen Gesprächen eher hinderlich wären. Fotografien über den historischen Wandpaneelen zeigen den mutmaßlichen Hausherrn in immer gleicher Aktion: ein freundlich in die Kamera lächelnder Politiker mittleren Alters, der „Menschen aus dem Volk“ medienwirksam die Hand schüttelt. „Official Meetings“ nennt Grigor Khachatryan diese Installation. Der Armenier, der sich in seinen Performances, Texten und Fotografien immer wieder mit dem Thema „Macht“ beschäftigt, nimmt die populistische Praxis der Repräsentation ironisch aufs Korn. Den Politiker auf den Fotos mimt er übrigens selber. Bei der offiziellen Eröffnung tauschte er die Rolle: Jetzt war er der Mann aus dem Volk, der von den Politikern mit einem zur Schau gestellten Händeschütteln bedacht wurde.

Ironie des Schicksals: Astghik Melkonyans Biennale-Beitrag „How to Manual a Monthly Salary“ konnte erst mit Verspätung aufgebaut werden, da Teile der Installation in Eriwan vergessen worden waren. Dabei handelt ihr Beitrag genau davon: Von dem Konflikt zwischen Alltag und Kunst. Wie organisiert man einen Alltag, wenn die Kunst nicht zum Leben reicht? Wenn man für das soziale Überleben arbeiten muss und nur parallel dazu künstlerisch…

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