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Titel: Die heilige Macht der Sammler · von Heinz-Norbert Jocks · S. 38 - 49
Titel: Die heilige Macht der Sammler , 2011

Titel – I. PHILOSOPHEN
Manfred Sommer

Eine Phänomenologie des Sammelns und des Sammlers

Manfred Sommer, 1945 geboren, ehemals Professor für Philosophie an der Universität Kiel, Schüler von Hans Blumenberg, hat sich in seinem Buch „Sammeln“ dem Phänomen auf eine Weise angenähert, die einen staunen lässt. Nicht nur deshalb, weil er sämtliche Literatur zum Thema beiseiteschiebt, als wolle er mit der Beschreibung ganz von vorn anfangen, sondern auch, weil er sich von allem Vorgewussten freimacht. Um mehr über den phänomenologischen Blick auf das Sammeln zu erfahren, stellte Heinz-Norbert Jocks dem Philosophen seine Fragen.

***

Heinz-Norbert Jocks: Wie stießen Sie eigentlich auf das Thema des Sammelns? Hat es sich für Sie aus etwas anderem entwickelt?

Manfred Sommer: In der Philosophie – auch in der Ästhetik als einer ihrer Disziplinen – gab es lange Zeit eine Art Vorurteil zugunsten des Festen, des Stabilen, der Einheit. Das Ganze war wichtiger als die Teile, das Selbige besser als das Verschiedene, die Harmonie angesehener als die Dissonanz, die geschlossene Identität wertvoller als das zerfallende Mannigfaltige. Das änderte sich in den 70er Jahren des letzten Jahrhunderts. In Deutschland fand die Kritische Theorie der Frankfurter Schule, in Frankreich die Philosophie des Poststrukturalismus Anklang mit ihrer Bevorzugung des Nicht-Identischen, der Verschiedenheit, der Differenz, der Heterogenität, der Streuung und Zerstreuung. Da schien mir jedoch das Kind mit dem Bade ausgeschüttet zu sein. Darum stellte sich mir die Frage: Gibt es ein Ganzes, das davon lebt, dass es die Teile, die es in sich befasst, so stark wie möglich macht? Gibt es eine Einheit, die gerade…


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von Heinz-Norbert Jocks

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