Titel: Kunsturteil , 2015

Ein 100-jähriges Gespenst

Spielarten elektronischer Musik zwischen U und E

von Joachim Ody

Was ist eigentlich aus Techno geworden – der letzten großen musikalischen Revolution, die Ende der 1980er Jahre ausgehend von der US-amerikanischen House Music die Welt im Handstreich einnahm?

Techno galt in seiner Anfangszeit als ein zunächst schwer zu definierendes Subgenre der Dance Music, deren Spielarten bis dahin auf Soul-, Disco- und Funk-Strukturen basierten. Ein Phänomen, das vorerst noch im musikalischen Underground sich bewegte, bevor vereinzelte Rave-Clubs entstanden, in denen pfeilschnelle, geradlinige, durch und durch elektrifizierte Tracks sausten, die eine derart intensivierte Dichte und Dynamik in unglaublicher Beschleunigung – von speziell trainierten DJs zelebriert – erreichten, wie man es sich zuvor in seinen kühnsten Visionen nicht vorzustellen mochte. Was ist aus der Bewegung geworden, die die Punk-Rebellion des „No Future“ inklusive ihrer hedonistischen Ausrichtungen kurzentschlossen in ein forciertes „Future Now“ umwandelte, weitestgehend entpolitisiert und dennoch mit beispiellosem Sendungsbewusstsein als Ausdruck des Zeitgeists hinausposaunend? Was ist daraus geworden, 25 Jahre später, wo die mediale Aufmerksamkeit geringer geworden ist, gigantische Mega-Events, wie sie in den 90ern allerorten sprießten und gedeihten, fast völlig verschwunden sind und nach der Duisburger Loveparade-Katastrophe uns denken ließ, dass dies alles ein Spuk von gestern war? Ein Trugschluss, denn gerade in den letzten Jahren brach sich langsam, aber immer deutlicher Bahn, um was es sich bei Techno im Grunde stets gehandelt hat: um eine immense Bereicherung innerhalb der Popkultur, musikalische Innovationen, die sich allmählich durchgesetzt haben, näher in den Fokus zu rücken. Heute ist Techno ein musikalisches Genre, das als…

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