Titel: Grosse Gefühle , 1994

Erich Kiefer

Emotionen

Menschen gehören zweifelsohne zu den emotionalsten und zu den intellektuellsten Tieren1 – zusammen mit ihren nächsten Verwandten wie Schimpanse und Gorilla sowie anderen höheren Säugetieren. Trotz dieser offensichtlichen Bedeutung emotionaler Prozesse in der Gesamtarchitektur der mentalen Prozesse dieser Tiere sind emotionale Prozesse bislang ein immer noch nur partiell verstandenes Phänomen. Nicht umsonst werden „Emotionen“ von verwirrten Philosophen als Beleg dafür benutzt, daß sich in den Köpfen besagter Tiere irgendeine Art von Geisterbahn befinde und daß nichts erstrebenswerter sei, als die Flucht in jegliche Form von Irrationalität, weg von der so bösen Rationalität, haben besagte Philosophen doch erkannt (hundertprozentig sicher, versteht sich!), daß es weder die Realität gibt noch das Subjekt und daß man am besten nichts anderes tut als spielen (was natürlich vom Staat im Elfenbeinturm voll finanziert werden muß).

„Emotionen“ eignen sich aber nicht nur als angeblicher Beleg zum Abdriften, sondern auch zu m.E. spannenden und wichtigen Fragestellungen wie:

Wie entstehen Gefühle als bewußt erlebte Emotionen? Mir ist aufgefallen, daß in allen Emotionstheorien (auch den philosophischen Thematisierungen) zwar immer von Gefühlen die Rede ist, aber nirgendwo die Frage formuliert wird, wie sie als bewußt erlebte Emotionen entstehen, geschweige der Versuch einer Antwort gewagt wird.

Emotionen als mentale Prozesse koppeln einerseits bewußte mentale Prozesse und andererseits Prozesse der molekularen Informationsverarbeitung, also phylogenetisch sehr junge mit sehr alten Prozessen. Wie funktioniert diese Koppelung und damit generell die Interaktion zwischen bewußten mentalen Prozessen und den hochkomplexen molekularen informationsverarbeitenden (IV-)Prozessen der Körperzellen?

Sind emotionale Prozesse mit KI-Methoden modellierbar, besonders Gefühle als bewußt erlebte Emotionen? Wie sind…

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