Gespräche mit Künstlern , 1994

Tod ist passiv, Denken an Tod ist aktiv

Damien Hirst im Gespräch mit Noemi Smolik

Spätestens seit der letzten Biennale in Venedig kennt jeder, der sich nur ein wenig für die Kunst interessiert, den Name Damien Hirst.

Seine in Venedig in der Mitte durchgeschnittene, in Formalin wie ein naturwissenschaftliches Objekt präsentierte Kuh erregte allgemeines Aufsehen. Man reagierte mit Ekel und Empörung, weil öffentlich ein Tabuthema angesprochen wurde, der Umgang des heutigen Menschen mit dem Tod. Und der Tod ist auch das zentrale Thema der Arbeiten dieses 1965 in England geborenen Künstlers. Der Tod, die Flucht vor dem Tod, die Wege, die einem helfen sollen, sich über den Tod hinwegzusetzen, ziehen sich wie ein Leitfaden durch Damien Hirsts Objekte und Bilder. Sie fordern heraus und zwingen uns durch ihre optische Präsenz, sich mit Themen auseinanderzusetzen, die normalerweise ins Unbewußte verdrängt werden. Damien Hirsts Kunst ist keine leichtverdauliche Kost; trotzdem gleicht seine Kunst einer Droge. Sie bietet Aufregendes an – und ist doch voller Gefahren.

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Noemi Smolik: Eine deiner Arbeiten hat den Titel „The Acquired Inability to Escape“. Es ist ein aus Glas gebildeter enger Raum, eine Art Box, in dem ein Tisch mit einem Aschenbecher und einem Stuhl steht. Aus diesem Raum scheint kein Entrinnen möglich. Für mich ist das eine deiner zentralen Arbeiten, weil sie als eine Metapher deines gesamten künstler- ischen Werkes verstanden werden kann, in dem es – wie der Titel sagt – um Flucht und die Unmöglichkeit einer Flucht geht. Ist es die Flucht vor dem Tod?

Damien Hirst: Ich glaube, ja….

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