Ausstellungen: Aarau · von Reinhard Ermen · S. 456
Ausstellungen: Aarau , 1998

Reinhard Ermen

Ferdinand Hodler, Piet Mondrian

„Eine Begegnung“

Helmut Federle

„Black Series 1 + 2 und Nachbarschaft der Farben“

Aargauer Kunsthaus, Aarau 14.6. – 6.9.1998

Ein einziger, eher nebensächlicher Hinweis, 1942 in New York, belegt, daß Piet Mondrian (1872 – 1944) Ferdinand Hodler (1853 – 1918) bewußt zur Kenntnis genommen haben könnte. Wahrscheinlich hat der junge Niederländer im Juni 1907 sogar eine Ausstellung des großen Schweizers in Amsterdam gesehen. Die Belege einer unmittelbaren Begegnung wären damit erschöpft. Wen wundert es da, daß ein möglicher Einfluß des älteren auf den jüngeren die Kunstgeschichte lange nicht interessierte. Zaghafte Hinweise in einer italienischen Mondrian-Monographie verhallten 1962 ungehört. 1994 in der großen Mondrian-Retrospektive in Den Haag war auch kein Platz für solche Marginalien, und so fand der zusammenfassende Diskurs, die erste wirkliche Begegnung von Ferdinand Hodler und Piet Mondrian 1998 in Aarau statt. Beat Wiesmer hatte beide mit Hilfe großzügiger Leihgaben, vor allen Dingen aus Zürich und Den Haag, zusammengebracht.

Heute erscheint eine wahlverwandte Nähe dieser ansonsten recht unterschiedlichen Protagonisten der Kunstgeschichte offensichtlicher als noch vor einigen Jahren. Unmittelbare Gemeinsamkeiten ergeben sich aus dem großen theosophisch-symbolistischen common sense der Jahrhundertwende. Hodler, seit 1892 Mitglied des Rosenkreuzer Ordens, ist ohnehin eine unübersehbare Figur dieses Umfelds. Mondrians Mitgliedschaft in der Theosophischen Gesellschaft (ab 1909) galt lange als eher peinliche Jugendsünde, obwohl die 1875 von dem Medium Helena Blavatzky begründete Theosophie eine große Anziehungskraft gerade auf Künstler ausübte. Aber das esoterische Bestreben, die geheimen, unsichtbaren Beweger des Weltganzen zu beschwören, die Emphase des Übersinnlichen wollte nicht in das Bild des Rationalisten Mondrian passen. Daß…

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