Kulturpolitik , 2010

Jürgen Raap

Geplatzte Träume

Zum aktuellen Stand der Kölner Kulturpolitik

Am Wochenende des 8./9. Januar 2010 fanden an Rhein und Ruhr zwei höchst unterschiedliche Ereignisse statt. Mit einem Festakt auf der Essener Zeche Zollverein läuteten die Macher von „Ruhr 2010“ ihr europäisches Kulturhauptstadtjahr ein. 90 km weiter südlich proklamierte derweil das Festkomitee Kölner Karneval sein diesjähriges Dreigestirn. Die zeitliche Parallelität dieser beiden Events entbehrt nicht einer gewissen Sinnbildhaftigkeit. „Köln schaut zu, während das Ruhrgebiet seinen Ruf poliert“, kommentierte der „Kölner Stadtanzeiger“ nicht ohne Wehmut die aktuelle kulturpolitische Situation.

Ihren Ruf zu polieren hätte nämlich auch die Narrenmetropole dringend nötig gehabt. Bis Frühjahr 2010 erwartet man z.B. in Brüssel ein „Signal“ aus Köln, wie man am Rhein mit dem Urteil des Europäischen Gerichtshofs umzugehen gedenke, beim Neubau der Kölner Messehallen sei gegen das EU-Vergaberecht verstoßen worden. Sonst droht womöglich ein saftiges Strafgeld. Zehn Monate nach dem Einsturz des Historischen Archivs gewann die Staatsanwaltschaft einen „Anfangsverdacht“, es könnten beim U-Bahnbau Messprotokolle gefälscht worden sein. Sie ermittelt nun in einem separaten Verfahren auch noch wegen Betrugs.

Beim Künstlerwettbewerb für die acht neuen U-Bahn-Stationen reichte indes das Geld nicht, und so werden jetzt nur noch vier Bahnhöfe künstlerisch bestückt. Der finanziell klamme Stadtkämmerer Norbert Walter-Borjans (SPD) dachte unlängst laut über eine mögliche Schließung des Museums für Angewandte Kunst nach. „Blamabel“ findet indes die „Kölnische Rundschau“ die Terminverschiebungen beim neuen Kulturzentrum am Neumarkt, das eigentlich bereits im Mai 2008 eingeweiht werden sollte. Doch angesichts hanebüchen anmutender Baumängel werden das Schnütgen-Museum und das Rautenstrauch-Joest-Museum erst zwei Jahre später dort ihre Pforten…

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