Ausstellungen: Baden-Baden , 2016

Johannes Meinhardt

Gerhard Richter

»Birkenau«

Museum Frieder Burda, Baden-Baden, 6.2. – 29.5.2016

Die vier Gemälde mit dem Titel „Birkenau“, 2014, die Gerhard Richter als ein einziges Bild versteht, werfen eine Reihe von interessanten Fragen auf; und sie demonstrieren auf beeindruckende Weise, wie eng verflochten die beiden – auf den ersten Blick weit auseinanderliegenden, einander sogar widersprechenden – Pole von Richters künstlerischer Problemstellung sind, die sein Werk von Anfang an konturiert haben. Denn von Anfang an stand einer nüchternen, materialistischen Medienanalyse, die die Materialität, Funktions- und Wirkungsweise unterschiedlicher Bildmedien (inneres Bild – Image; fotografisches Bild – Picture; gemaltes, bewusst durch ein Subjekt hergestelltes Bild – Painting) untersucht, eine bildtheoretische Konzeption gegenüber, die sich schon früh einer negativen Theologie des Bildes angenähert hat und die davon ausgeht, dass ein Bild im stärksten und wahrsten Sinne des Wortes nicht intentional erreicht werden kann, sondern nur in einem komplexen, vielschichtigen und immer wieder negativen (Beseitigung, Verwischung, Vermalung, Zerstörung von Sichtbarkeiten und Ordnungen im Gemälde) Prozess des Malens – vielleicht – glücken kann.

Die Ausstellung besteht aus zwei Teilen: einem Teil mit dem Titel „Große Abstraktion“, und einem Teil mit den verschiedensten medialen und pikturalen Zuständen von „Birkenau“.

In „Große Abstraktion“ wird gezeigt, wie Gerhard Richter in den sechziger Jahren auf die ziemlich eindimensionalen Positionen der Minimal Art einerseits, die neben der Pop Art seine Anfänge stark geprägt hat, und des Abstrakten Expressionismus in den USA andererseits in seinen Arbeiten reagiert hat: nämlich mit der Einforderung der Einsicht, dass jedes Gemälde immer schon Aspekte des Fiktiven oder Immateriellen (also des Pikturalen…

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von Johannes Meinhardt

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