Ausstellungen: Dortmund , 2017

Gesellschaft zur Wertschätzung des Brutalismus

Wer rettet die Betonmonster?
HMKV Hartware MedienKunstVerein 02.04. – 24.09.17
von Annelie Pohlen

Das Thema ist in – jedenfalls in Milieus, die sich eines von kleinbürgerlichen Geschmäcklereien freien Blicks auf die unter Brutalismus firmierende Baukunst rühmen. Von der Mehrheit als Monster erlebt landet die für eine vergleichsweise kurze Zeit ziemlich abrupt vornehmlich im urbanen Raum. Einiges, weil es noch Brachen zu füllen galt. Weit mehr aber durch eine dem Fortschritt verschriebene ‚Gesellschaft‘ aus Architekten, Urbanisten, Politikern und natürlich auch Bauindustrie, die für ihre Vision von der Stadt der Zukunft unter fadenscheinigen Gründen selbst historische Stadtviertel in Schutt und Asche legten.

Zu einer weit über die Grenzen seiner royalen Einflusszone hinaus reichenden Wertschätzung hat es eine vermeintliche oder tatsächliche Verlautbarung von Prinz Charles gebracht. Derzufolge habe der Brutalismus in Großbritannien, dem Geburtsland des Baustils, mehr Schaden angerichtet als der Zweite Weltkrieg. Man würde so viel – wahlweise – Zynismus oder Dummheit gerne mit Nichtachtung begegnen, würde die Abrissbirne einer spekulationstüchtigen Immobilienbranche nicht derart ‚brutale‘ Konsequenzen aus dem royalen Diktum gegen die radikalste Ausprägung der Architekturmoderne ziehen.

In der Kulturszene jedenfalls hat es der Brutalismus nicht erst in jüngster Zeit zu einiger Beliebtheit gebracht. Die Kunsthalle in Düsseldorf wurde Ende der 1990er Jahre zum Fanal des Widerstands. Inzwischen füllen sich die nationalen und internationalen Kalender mit Veranstaltungen zur Verteidigung der nicht nur von Kleinbürgern bedrohten Bauwerke. Im Internet hat es die „Brutalism Appreciation Society“ in kürzester Zeit auf mehr als 50 000 Mitwirkende gebracht. Und ist – was den…


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