Titel: Kunsturteil , 2015

Gila Kolb, Kunstpädagogin

Gila Kolb, geboren 1979, Kunstpädagogin und Kunstvermittlerin, derzeit wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Universität Bremen am Institut für Kunstwissenschaft und -pädagogik. Aktuelle Publikation: Torsten Meyer/Gila Kolb (Hg.): What’s Next? Art Education, München 2015. Web: http://aligblok.de

Raimar Stange: Gibt es für dich Kriterien, die die Qualität von Kunst bestimmen können?

Gila Kolb: Als Kunstpädagogin beschäftige ich mich häufig und kritisch mit Kriterien, wie etwa denen für „guten“ Kunstunterricht, „qualifizierte“ Lehrpersonen oder Unterrichtsinhalte. Kunst als Gegenstand von Unterricht kann in dieser Logik (auch genannt: didaktische Analyse) verschiedener Kriterien wie etwa Inhalt & Form, Stringenz von (visueller) Argumentation, Zugänglichkeit, Wirkungsweise u. a. betrachtet werden. Jedoch: Ein Kriterium, das Kunst meines Erachtens besonders auszeichnet und möglicherweise zugleich einer Vorstellung von Kategorisierung zuwider läuft, ist Uneindeutigkeit. Damit lässt sich die angenommene Berechenbarkeit von Lehr-/ Lernprozessen in Frage stellen. Und die Frage nach der Lehrbarkeit einer Ambiguitätstoleranz eröffnen – ein Begriff, der immer wichtiger wird vor dem Hintergrund dessen, dass mächtige und weniger mächtige Wissensformen koexistieren und Schule als Ort der Tradierung von gesellschaftlich relevantem Wissen verstanden wird.

Muss gute Kunst politische Kunst sein?

Kunst kann Differenzerfahrungen ermöglichen. Sie trifft einen dann. Mich trifft sie derzeit häufiger, wenn sie gesellschaftlich wirksam wird. Oder, wie die Kuratorin, Vermittlerin und Theoretikerin Nora Sternfeld es beschreibt, beim Verlernen Vermitteln zum Anlass oder Ausgangspunkt einer „Auseinandersetzung mit den bestehenden Machtverhältnissen im Hinblick auf ihre Verschiebung“ wird (Sternfeld 2015, S. 333). Ob „gute“ Kunst aber politisch sein muss, weiß ich nicht – schon, weil ich nicht weiß, wie „gut“ gültig beschrieben werden kann.

Spielt es…

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von Raimar Stange

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