Titel: Insel Austria , 1987

Dieter Ronte

Gironcoli, Goeschl, Hollein, Haus Rucker, Pichler

Der Aufbruch in die Moderne: Eine nekrophile Utopie?

Nach dem Schweigen der bildenden Kunst in der ersten Republik im internationalen Maßstab und einem fast nahtlosen Übergang in die von den Nationalsozialisten geforderten neuen Kunststrukturen nach dem Anschluß 1939 hat sich nach 1945 in Österreich eine Explosion im Bereich der bildenden Kunst entwickelt, die stark pluralistisch ist, wenig konstruktiv, gar nicht konstruktivistisch. In Gruppen aufgeteilt fehlt ihr eine übergeordnete Solidarität. Unterschiedliche politische Selbst- und Rezeptionszuordnungen verteilen sich in verschiedene gesellschaftliche Lager. Die Avantgarde der Abstrakten fand ihre Operationsbasis in der Galerie nächst St. Stephan, die vom Domprediger Msrg. Mauer geleitet wurde.1 Kunst war Ewigkeit, visualisierte Theologie, Hoffnung auf ein besseres Leben im Jenseits. Die Avantgarde der 50er Jahre wurde somit zum Hoffnungsträger des himmlischen Paradieses post mortem, ohne daß es gelang, die offizielle österreichische Kirche als Hort des ästhetischen Widerstandes zu gewinnen.

Die Situation verändert sich bedeutsam mit dem Beginn der 60er Jahre, als junge Künstler es verstanden, jenseits von parteipolitischen Vorstellungen politische Utopien zu wecken, gesellschaftliche Positionen zu beziehen, um durch die Kunst andere Denkmodelle des menschlichen Lebens in der Gesellschaft zu verdeutlichen. Es sind nicht so sehr die eigentlichen Architekten gewesen, sondern bildende Künstler, die als Objektkünstler, Designer auch den Bereich der Architektur beherrschen. Es ist eine Gruppe, die sich nicht als Gruppe verstand, die aber Gemeinsamkeiten durch ihre Werke aufbaut(e): Bruno Gironcoli, Haus Rucker, Hans Hollein, Oswald Oberhuber, Max Peintner, Roland Goeschl und heute als der jüngste Cornelius Kolig. Ihnen gemein ist der Versuch,…

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