Ausstellungen: München , 1992

Heinz Schütz

Günther Förg

Kunstverein München, 16.1. – 1.3.1992

Vor fünf Jahren setzte Gerhard Merz mit „Dove sta memoria“ im Münchener Kunstverein Maßstäbe, insbesondere was Orts- und Architekturbezogenheit anbelangt (s. KUNSTFORUM, Bd.86). Als Herausforderung steht seine Architekturmalerei auch heute noch im Raume, zumal dann, wenn ein Künstler wie Günther Förg ausstellt. Das heißt, Förg wurde immer wieder mit einer spezifisch von München ausgehenden Kunst in Verbindung gebracht, einer Kunst, die geprägt ist durch ihre mehr oder weniger große Affinität zur strengen Ordnung und zum Ideal klassizistischer Schönheit. Wenn die Rede vom neuen Münchener Klassizismus in gewißer Weise auch ein Konstrukt (gewesen) sein mag, zumindest was den Raumbezug anbelangt – spezifischer: die monochrome Wandmalerei – und die gleichwertige Behandlung von Abstraktion und Abbildung – spezifischer: die Integration fotografischer Bilder -, existiert durchaus Verbindendes zwischen Gerhard Merz, Günther Förg, Ulrich Horndash und einigen Arbeiten Stephan Hubers. Wie reagiert nun Günther Förg auf die Kunstvereinsräume? Wie geht er mit dem latent weihevollen Charakter der neoklassizistischen Architektur um?

Förg läßt die Wände weiß. Abgesehen von einigen großformatigen tafelbildähnlichen Zeichnungen, die er zusammen mit drei Torsi im ersten Ausstellungsraum plaziert, bestückt er die Ausstellung ausschließlich mit Skulpturen: 9 monumentale Bronzeskulpturen im Hauptraum, 36 Bronzemasken in den beiden Stirnräumen. Die Symmetrie des Hauptraumes aufgreifend ordnet Förg die Bronzestelen in zwei Reihen an. Sie sind – wie auf einen sakralen Fetisch – auf eine lanzettartige Skulptur an der Stirnwand des Raumes hin orientiert. Der erste Eindruck beim Betreten des Raumes ist der quasikultischer Archaik. Sie widerstreitet dem kultivierten Klassizismus der Architektur…

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von Heinz Schütz

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