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Titel: Art & Pop & Crossover · von Volker Marquardt · S. 172 - 176
Titel: Art & Pop & Crossover , 1996

Günther Jacob:
»Hip Hop als Zwischen-Fall in der Popkultur«

Welche Rolle spielt Hip Hop, die jüngste Kultur der African-Americans, für die Europäische Kulturszene und die weissen Hörer?
Ein Gespräch von Volker Marquardt

Volker Marquardt: Was ist der Reiz für die Söhne und Töchter des hiesigen Mittelstands, Hip Hop zu hören und vor allem zu diskutieren?

Günther Jacob: Gehört wird Hip Hop nicht nur in mehr oder weniger intellektuellen Subkulturen, sondern auch von proletarischen Jugendlichen. In beiden Gruppen wird er ganz unterschiedlich wahrgenommen. Die Subkulturen, die ja auch nur ihren Spaß haben wollen, mußten feststellen, daß Hip Hop mit den tradierten Mitteln des Pop-Diskurses nicht adäquat erfaßt werden kann. Die jüngeren Kids neigen dazu, den im Hip Hop gepredigten sozialen Durchsetzungswillen von Outbounds für sich zu übernehmen. Insgesamt gilt, daß Hip Hop 1994 anders wahrgenommen wird als zum Beispiel 1983. Vor dem Hintergrund einer weltweiten Renaissance des Nationalen, in einer Situation, wo überall neue “Völker” auftauchen, im Namen eines “Selbstbestimmungrechts” blutige Kriege geführt werden und wo in den USA die Spannungen zwischen den sogenannten Minoritäten steigen, spüren alle, daß eine unreflektierte Identitätspolitik problematisch geworden ist. In New York haben die Konflikte zwischen den verschiedenen Minoritäten bei den letzten Bürgermeisterwahlen den rechten Kräften den Durchmarsch ermöglicht. Damit wird das in den Pop-Subkulturen in Anlehnung an den postmodernen Theoretiker Lyotard formulierte multi(sub)kulturelle Ideal eines “Patchworks der Minderheiten” fragwürdig.

Subkulturelle Minderheiten lösen ja lediglich Bruchstücke aus der importierten und begehrten Kultur heraus, um sie als Bausteine für die eigene Kultur zu benutzen …

Popkulturelle Szenen, die ja nach…



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von Volker Marquardt

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