Titel: Art & Pop & Crossover , 1996

Hanif Kureishi & Jon Savage

Phänomen Pop

Versuch einer Geschichtsschreibung

1942-56: Auf dem Weg nach Nirgendwo

»Die Jungen lebten zumeist im Exil, doch das Exil gab ihnen Möglichkeiten, die sie sich zuvor selten erträumt hatten. Alles um sie herum wurde abnormal, die neue Arbeit, die Umgebung, die Kleidung, die sie trugen, das physische und emotionale Klima. Konkrete Dinge der Vergangenheit, wie Postanschriften, Stundenpläne, Straßenschilder, wurden unwirklicher, und Freundschaften waren jetzt ganz wichtig, denn daß sie dauern konnten, war unwahrscheinlich. Fast alle wurden, ob sie wollten oder nicht, zu Kreaturen des Augenblicks und lebten in einer immerwährenden Gegenwart; die Vergangenheit war entschwunden, die Zukunft ungewiß.«

Rodney Garland, The Heart in Exile (1953)

Der Ursprung des Pop und was wir heute darunter verstehen – Pop als Kultur, als Denkweise und als Industrie – ist nicht genau zu bestimmen. In der Rückschau lassen sich jedoch eine Reihe von Faktoren ausmachen, die zu seiner Entstehung beitrugen:

– technischer Fortschritt,

– ein seit dem Kriege vorherrschendes Wirtschaftssystem nach amerikanischem Vorbild (beschleunigter Umsatz, Massenproduktion, Wegwerfmentalität),

– der weltweit zunehmende Einfluß Amerikas,

– der Demokratisierungsschub einer geplanten Konsumgesellschaft,

– ein durch Krieg und Atombombe geschärftes existentielles Bewußtsein.

In den 40er Jahren war die aktuelle Unterhaltungsmusik nicht viel anders als in den 30er Jahren – die Weiterentwicklung des Publikumsgeschmacks wird durch Kriege nicht gerade gefördert. Diese U-Musik war eine gemeinhin als Swing bezeichnete Stilrichtung des Big-Band-Jazz und kam aus Amerika. Zwar hatten herausragende Big-Band-Sänger wie Bing Crosby bereits große Wirkung erzielt, aber erst mit dem außerordentlichen Erfolg Frank Sinatras – der sich mit seinem Auftritt am Paramount Theater in New…

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