Titel: Art & Pop & Crossover , 1996

Karl Bartos (Ex-Kraftwerk)

Techno

Minderheitenprogramm. Kurzlebiger Trend in den Clubs. So rasch wieder in der musikalischen Versenkung verschwunden, wie er scheinbar aus dem Nichts auf der Tanzfläche erschien. Ohne Aussicht und Ambition nach breitenwirksamem Einfluß. So oder so ähnlich lautete die Meinung von Musikindustrie und Fachmedien, als sich Ende der achtziger und Anfang der neunziger Jahre „Techno“ lauthals Gehör verschaffte. Ein großer Irrtum, der die Majorfirmen wenig später zu übereilten Einkäufen verführte, und der die Musikmedien zu einer eilfertigen, jedoch meist verständnislosen Berichterstattung zwang.

Heute muß es selbst dem letzten Zweifler klar sein: Techno in allen seinen Varianten von Hardcore über Gabba und Ambient bis hin zu Trance, House und Jungle hat sich als Musik der Neunziger etabliert. Mit allen Vor- und Nachteilen: Techno hat seine eigene Mode, sein eigenes Design, seine eigenen Drinks, seine eigenen Drogen, eigene Nachahmer und eigene Absahner – und eigene Stars, Musiker und DJ’s, die auch international anerkannt sind. Kurzum: Techno ist Jugend- und Musikbewegung geworden, vergleichbar mit dem Punk der siebziger oder dem Rock der sechziger Jahre.

Daß das nicht einfach so aus dem Nichts passieren konnte, ist den wenigsten klar. Erst langsam beginnt man, sich für den Background zu interessieren.

„Ich glaube, daß die Verwendung von Geräuschen, um Musik zu machen, solange andauern und zunehmen wird, bis wir zu einer Musik gelangen, welche mit Hilfe elektrischer Instrumente produziert wird.“ 1937 steckte John Cage mit seinem „Credo“ den Rahmen ab für die populäre Musik des 20. Jahrhunderts. Was für uns heute fast banal klingt, war damals Revolution. Nur 31…

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