Ausstellungen: Brühl · von Jürgen Raap · S. 284
Ausstellungen: Brühl , 2017

Jürgen Klauke – Selbstgespräche

Zeichnungen 1970 – 2016

Max Ernst-Museum 26.03. – 16.07.2017

von Jürgen Raap

1974 konstatierte ein Kommentator im „Kölner Stadtanzeiger“ eine politische und kulturelle „Tendenzwende“. Literaturkritiker bescheinigten in jenem Jahr den Schriftstellern, sie frönten nach Jahren des gesellschaftlichen Aufbegehrens in ihren aktuellen prosaischen und lyrischen Arbeiten nunmehr einer „Neuen Innerlichkeit“. Vom Happening der 1960er Jahre, deren Mitmach-Charakter man mit heutigem Vokabular als „interaktiv“ oder „partizipativ“ beschreiben würde, unterschieden sich die Performances der 1970er Jahre durch ihren Charakter als pointierte künstlerische Selbstdarstellung oder gar Selbstbespiegelung des Akteurs. Wenn Jürgen Klauke seine Performances seinerzeit hingegen als „intermediären Aktionismus“ bezeichnete, so bedeutet dies, dass die performative Aktion mit ihrer Befragung der Grundlagen menschlicher Existenz und der Geschlechteridentität für ihn eben nicht bloß die Vorführung einer physischen Präsenz sein soll (wie in der klassischen Body Art), sondern mit anderen Medien wie Zeichnung, Fotografie und Video eng verschränkt ist. Der Berner Theoretiker Gerhard Johann Lischka hat um 1980 in mehreren Essays diesen Begriff „intermediärer Aktionismus“ kunstwissenschaftlich beschrieben.

Zu den wichtigsten Arbeiten zählen in Klaukes Gesamtwerk ohne Zweifel auch jene, bei denen er Mitte der 1980er Jahre mit Durchleuchtungsapparaten agierte, wie wir sie bei Sicherheitskontrollen auf Flughäfen erleben. Diese Arbeiten waren vor 30 Jahren schon in höchsten Maße politisch, und damit belegen sie wie auch die jetzt im Brühler Max Ernst-Museum ausgestellten Zeichnungen, dass dieser „intermediäre Aktionismus“ eben nicht als rein subjektivistisch zu begreifen ist, so wie man dies von der klassischen Art Performance gemeinhin annimmt.

Dieser politische Aspekt schließt freilich nicht aus, die innere Welt als einen künstlerischen…

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