Ausstellungen: Köln , 1999

Jürgen Raap

Katharina Bosse

»Reich der Zeichen – Reich der Sinne«

Heidi Reckermann Photographie, Köln, 10.9. – 30.10.1999

Zwei Werkreihen recht unterschiedlicher Art stellte Katharina Bosse aus: Im hinteren Teil der Galerie zeigte sie fotografische Portraits, vorne indessen Aufnahmen von Räumen, bei denen die Nutzer ganz bewusst ausgespart bleiben. Es sind Räume, die eine gewisse Intimität bieten und die man gemeinhin diskret betritt, für jeden Erwachsenen zugänglich und doch nicht öffentlich, während bei der Portrait-Reihe die meisten Aufnahmen im Außenraum entstanden sind.

In diesen Portraits bilden die Landschafts- oder Stadthintergründe ein konkretes, alltägliches Szenario zur Selbstinszenierung der abgebildeten Personen. Diese Orte haben nichts besonderes an sich, und jeder Betrachter kennt Plätze, die so ähnlich sind. Ein junger Mann posiert mit weißen Engelsflügeln auf einem Hausdach, ein Liebespaar genießt die Romantik eines Strandes mit Felsbrocken. Obwohl bei den Aufnahmen verschiedener Frauen deren Garderobe oder Kostümierung eine Chiffre für eine selbst gewählte oder beruflich angenommene (Rollen-)Identität ist und sich diese Rollenhaftigkeit auch in der Pose ausdrückt, haben diese Aufnahmen nichts Theatralisches an sich. Es ist lediglich so, dass manche der Portraitierten normalerweise an solch banalen Orten, am Rande eines Parkplatzes etwa, sich nicht so zeigen würden, wie sie es hier vor der Kamera tun. Doch diese textilen Zeichen für ihr eigentliches Leben bleiben vor diesen Kulissen indifferent. Bei den meisten dieser Aufnahmen scheint es Katharina Bosse weder um Ungewöhnliches noch um Klischeehaftes zu gehen: Das Bildnis eines Matrosen mit einer Blondine lässt in seiner atmosphärischen Beiläufigkeit keineswegs an jene Mythen denken, die sich um die Vergnügungsviertel der…

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