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Ausstellungen: Düsseldorf · S. 293 - 295
Ausstellungen: Düsseldorf , 1988

Heinz Liessmann
Katzuo Katase: Windstille

Kunstverein, 9. 1.-7.2. 1988

Ostasien ist für die Kunst Europas und der USA seit dem 19. Jahrhundert zu einer wesentlichen Quelle erneuernder Inspiration geworden. Die bildende Kunst, Philosophie und Religion Japans und Chinas lassen sich als Spur in den Werken und im Ethos unterschiedlichster Künstler des Westens aufzeigen. So war es der japanische Holzschnitt, der durch seine ungegenständlichen Ausdrucksqualitäten die Entwicklung der Kunst zur Autonomie von Farbe und Linie mitinitiierte. In den Bildern van Goghs, Gauguins und Degas‘ läßt sich der Einfluß dieses japanischen Blicks durchgehend finden. Im zwanzigsten Jahrhundert zeigt sich der Einfluß ostasiatischer Konzentration und Intuition in so unterschiedlichen Formulierungen wie denen Julius Bissiers. der deutschen ZEN-Gruppe oder AntoniTapies‘; tatsächlich bewegt sich auch das Denken von Joseph Beuys entlang der Grenzlinie Europas und Asiens: die von ihm postulierte Vereinigung des logisch-kristallinen und des organisch-intuitiven Prinzips zeugt von dieser Begegnung. Genauso wird man auch die großflächigen, kaum strukturierten Farbfelder Barnett Newmans, Mark Pothkos und Ad Reinhards in Verwandtschaft zu asiatischen Erfahrungen sehen können: die selbstvergessene Einheit des Menschen in der Erfahrung der Wahrheit wird dort seit langem schon durch monochrome Bilder sinnfällig gemacht.

Die Liste solcher Verwandtschaften, seien sie nun bestimmt durch innere Verwandtschaft oder direkten Einfluß, ließe sich fortführen, doch wird dann auffällig, wie wenig der Westen über umgekehrte Beeinflussungen weiß. Der Japaner KATZUO KATASE. der nun im Düsseldorfer Kunstverein ausstellt, ist einer der wenigen hier bekannten Künstler Ostasiens, deren Arbeit zentral durch einen Dialog mit der Kultur des Abendlandes bestimmt ist. Katase lebt bereits seit…


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