Magazin , 2000

Kontrollgesellschaft mbH

Reg Whitaker ,Das Ende der Privatheit – Überwachung, Macht und soziale Kontrolle im Informationszeitalter‘

Der Bundeskanzler eröffnete zum 10. Jahrestag der Volksmärsche über den Leipziger Innenstadtring das hiesige Zeitgeschichtliche Forum als neue Abteilung der Bonner Stiftung Haus der Geschichte. Den Zeitungsmeldungen nach kann man dort auf alten Monitoren noch einmal verfolgen, wie das Ministerium für Staatssicherheit den DDR-Alltag videoüberwachte. Doch nur wenige Jahre nach Abwicklung der Stasi werden in der vormaligen Heldenstadt erneut Kameras positioniert, welche im „Pilotversuch“ die Konsumzonen um den Bahnhof herum abscannen. Es ist also doch noch was übriggeblieben von der DDR.

Nicht mehr ein Staatsministerium, sondern diversifizierte Machtzentren überwachen ein Netzwerk der Kontrollgesellschaft mit äußerst beschränkter Haftung. In seinem sogleich ins Deutsche übersetzten Buch ,The End of Privacy‘ beschreibt der amerikanische Politologe Reg Whitacker eine „neue Entfremdung“ durch Abhandenkommen dessen, was einmal im Zuge der Volkszählungsurteils als Recht auf Selbstbestimmung der eigenen Daten genannt wurde. Der Autor stellt konsequent die Machtfrage, wenn er über neue Informationstechnologien (IT) als „Mittel sozialer Kontrolle“ spricht und erinnert auch daran, dass dies manchmal tödlich endet. So wurde das us-amerikanische Ehepaar Ethel und Julius Rosenberg in der Hetzzeit des Kalten Krieges wegen vorgeblicher Spionage hingerichtet.

Die nationalstaatliche Überwachung seitens der Nachrichtendienste bildet den Auftakt des durchweg allgemeinverständlich geschriebenen Buchs. Im 20. Jahrhundert wurde Spionage in Verwaltungsakte systematisiert, die Überwachungstätigkeit automatisiert und globalisiert. Aktuelles Beispiel hierfür ist das umstrittene anglo-amerikanische Echelon-Projekt für die weltweite Abhörtätigkeit von Datenströmen. Voraussetzung hierfür waren Digitalisierung und Vernetzung, sodass die auf Datensätze reduzierte Informationen per Datenbanken-Abgleich miteinander in Beziehung…

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von Jochen Becker

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