Nachrichtenforum: Kulturpolitik · S. 12
Nachrichtenforum: Kulturpolitik , 2006

Selbst zu den Zeiten, als Köln noch mit Fug und Recht als Weltmetropole der Kunst bezeichnet werden konnte, konzentrierte sich die städtische Kulturförderung in erster Linie auf die museale Hochkultur. Die freie Szene hingegen fühlte sich immer vernachlässigt. Inzwischen genießt die Kulturpolitik im Rathaus generell keinen hohen Stellenwert mehr. Seit dem Jahr 2000 hat Köln mit Fritz Schramma einen OB an der Verwaltungsspitze, der nach eigenem Bekunden von moderner Kunst nicht viel Ahnung hat, und den die Öffentlichkeit vorwiegend als passionierten Fußballfan und bekennenden Karnevalisten wahrnimmt. Der neue Kulturdezernent Prof. Georg Quander fordert, in den kommenden sechs Jahren den Kulturetat um jährlich 0,5 Prozent aufzustocken und will mit den Mehreinnahmen künftig vor allen die freie Szene fördern. Zwar unterstützt nun überraschenderweise OB Schramma Quanders Pläne, doch der CDU-Mann Schramma übt sein Amt in einer Kohabitation mit einer rot-grünen Koalition aus, die solche Ideen „unseriös“ findet.

Gleichzeitig gehen in den städtischen Ateliers die Lichter aus. Das kommunale Liegenschaftsamt drohte den Künstlern in den Niehler Clouth-Werken die Räumung an. Die Stadt will das Gelände kommerziell vermarkten. Als Ersatz bietet sie den Künstlern eine ehemalige Schule in Flittard an, die allerdings ziemlich abseits an der Stadtgrenze zu Leverkusen liegt. „Eine kurzzeitige Zwischenlösung mit mehreren Umzügen ist für uns unzumutbar“, protestieren die Künstler, die sich im Verein Cap Cologne e.V. zusammengeschlossen haben. Bei der Besichtigung eines Atelierhauses in einem anderen Stadtteil, das dort ein privater Investor betreibt, stieß indessen einem Künstler der Mietvertrag übel auf: „In dem Vertrag stand, dass der Ateliernutzer für den Schaden…

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