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Magazin · von Claudia Herstatt · S. 481 - 481
Magazin , 2000

Metropole als Möglichkeit

Christina Weiss flaniert durch die Stadt als Bühne

Jägerzäune waren schon Alexander Mitscherlich in seiner Polemik „Die Unwirtlichkeit der Städte“ ein Graus. Auf ihn bezieht sich die Hamburger Kultursenatorin und Kulturwissenschaftlerin Christina Weiss in ihrem Plädoyer für die Großstadt. „Stadt ist Bühne“ ist der Titel ihres Buches. Die vielen Facetten, das Chaos, die – auch irritierende und ängstigende – Begegnung mit dem Unbekannten in der Metropole scheinen ihr der ideale und unabdingbare Nährboden für die Entstehung von Kultur.

Was im trügerischen Idyll der Vorstädte als Fluchtburg vor dem Unbekannten, auch dem Unbekannten in den Künsten ausgegrenzt und eingeschläfert wird, muss ihrer Meinung nach im Sinne der Gesellschaft allgemein in den Städten entwickelt und diskursiert werden. Das allerdings versteht Christina Weiss als einen Lernprozess, denn sie argwöhnt skeptisch, dass „wir nicht metropolentauglich, weil wir nicht gemeinschaftstauglich sind“.

Dass sich der Essay in fünf Kapiteln, den sich die seit 1991 aktive parteilose Politikerin mit Freude und Überzeugung in den knappen Ferien abgerungen hat, kein Leitfaden für angehende Kulturpolitiker sein kann und soll, das macht die Autorin gleich zu Anfang klar: „Dieses Buch ist weder Regierungserklärung noch ausformuliertes Programm zum Gebrauch für Kulturverwaltungen.“

Statt dessen hat sich Christina Weiss sozusagen eine Auszeit genommen, sich den Luxus gegönnt, durch ihre Erfahrungen und Überzeugungen auf beiden Seiten von Kritik und Politik, als Programmmacherin, Intellektuelle und Kulturverweserin zu flanieren wie durch eine große Stadt. Mal verweilt sie an einem Platz, mal blättert sie bei Philosophen, Soziologen, Künstlern, die sie auf 176 Seiten Text immerhin 88-mal herbeizitiert, angefangen von…

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von Claudia Herstatt

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