Magazin , 2000

Bin ich noch drin?

Walther Jahn, Stephan Lanz, Klaus Ronneberger „Die Stadt als Beute“

Die Fackel der Aufklärung ist abgelegt, nun hält die Statue der Freiheit einen Schrubber in der Faust. „Aufräumen wie in New York? Gegen Verbrechen, Drogen und Dreck in deutschen Städten“ lautete der Spiegel-Titel im Sommer 1997, der die „zero tolerance“-Kampagne der New Yorker Verwaltung gegenüber normabweichenden Verhaltenauffälligkeiten in den bundesdeutschen Diskurs einzuführen. Hier setzt ,Die Stadt als Beute‘ als summarischer Überblick sowie kritische Analyse an, zusammengetragen von der Stadtforschungsgruppe spacelab (Walther Jahn, Stephan Lanz, Klaus Ronneberger). Ihr Taschenbuch bettet den Exportschlager ,Null Toleranz‘ ein ins stadtpolitische Szenario eines bundesrepublikanisch-neoliberalen Wettbewerbsstaates. Ordnungsdiskurs, Innere Sicherheit und selektive Aufwertung der Städte schreiben die hierarchische Spaltung der Gesellschaft auch räumlich fest.

Der zweite Teil offeriert einen Schnelldurchlauf durchs Bundesgebiet. Die „Bahn kommt in die Stadt“, wenn die aus deutsch-deutschem Staatsbesitz heraus privatisierte Deutsche Bahn AG sich selbst als „Motor der Stadtentwicklung“ bezeichnet. Am Rande Frankfurts erwächst eine ,Airport-City‘, mit der größeren Arbeitsplatzansammlung an einem Punkt noch vor dem VW-Stammwerk in Wolfsburg. Dort wiederum entsteht die ,Autostadt‘ als Mix aus Werbeplattform, Shopping Mall und Kongressort. Im VW-Werk Dresden wird demnächst wertschöpfende Hand-Arbeit in einer „Gläsernen Fabrik“ ausgestellt wie eine aussterbende Spezies. In Leipzig werden etwa drei Viertel des Handels umsatzes in der Peripherie getätigt. Die stadtteilähnlichen Konsumzonen von CentrO, Ocean-World oder Space Park bis Multi Casa und UFO suchen diesem massiven Sub-Urbanisierungstrend eine innerstädtische Aufwertung entgegenzusetzen. So entwickeln sich die Innenstädte mehr und mehr zu Orten des Konsums oder des Tourismus – und zum…

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von Jochen Becker

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