Magazin , 2000

Stadtkritik als (nicht nur künstlerische) Handlungsform

AG Baustop. randstadt,- 1#

Wollte man den Titel der Publikation „Baustop. Randstadt.“ wörtlich nehmen, würde dies appellativ intervenierend nicht nur den sofortigen Stop des Bauwahns in Berlin fordern, sondern auch eine Dezentralisierung dessen, was sich in Berlin nicht erst seit dem Mauerfall anbahnt: eine, alle Parteien verbindende, Filzokratie ohne politische Legitimation nach außen, die weiter vom Zentrum entfernt liegende Arbeiterwohnviertel wie Marzahn oder Friedrichshain bei ihrer Planung weitgehend unberücksichtigt lässt. „Randstadt“ heißt auch eine europaweit agierende Zeitarbeitsfirma, die außerdem Serviceleistungen wie Gebäudereinigung und Sicherheitsdienste zur Verfügung stellt, die an den gegenwärtigen Deregulationprozessen nicht unwesentlichen verdient.

Die Ausstellung „Baustop. Randstadt.“ fand letzten Herbst in den Räumen der Neuen Gesellschaft für Bildende Kunst (NGBK) in Berlin statt. Obwohl gelegentlich Kritik aufgrund der Textlastigkeit und der geringen Betrachter-, oder eher Leserfreundlichkeit geäußert wurde, muss doch die argumentative Gegenleistung zum omnipräsenten Berlin-Hype hervorgehoben werden, der die Ausstellung zumindest, seitens der amerikanischen Kunstzeitschrift Artforum, eine Aufnahme in die Liste der international wichtigsten Ausstellungen des Jahres 1998 verdankt.

Erarbeitet und zusammengestellt wurde die Ausstellung von einer Gruppe von künstlerisch, journalistisch und anders Tätigen sowie selbstorganisierten Gruppen, die zum Thema „Stadt“ arbeiten. Diese Form eines losen, projektorientierten Verbundes hatte sich aus den früheren kollektiven Kunstveranstaltungen gebildet, die schon eine systematische Zusammenarbeit mit politisch engagierten, postautonomen Gruppen in der „Messe 2 ok“ (Köln 1995) und anschließend in „Minus 96“ (Berlin 1996) gesucht hatten. Sie stellt aber auch eine Berliner Weiterentwicklung der in einigen mitteleuropäischen Städten abgehaltenen Innenstadtaktionswochen (1997 und 1998) dar.

Gemeinsam ist den an „Baustop“ Beteiligten,…

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von Stefan Römer

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