Magazin: Architektur , 1998

Stephan Berg

Museumsarchitektur als Kunstverhinderung

Eine Polemik

Wie und wo alles angefangen hatte, weiß eigentlich keiner mehr so richtig. Und jetzt, wo die ganze Geschichte wirklich gründlich und unkorrigierbar schief gegangen ist, begnügt man sich mehr oder weniger damit, die Katastrophe einfach nicht wahrzunehmen.

Die Rede ist von den Architekten und ihrer Leidenschaft, Kunsthäuser, Kunsthallen und Museen zu bauen, die unseligerweise selbst Kunst sein wollen. Wir stellen uns vor: Irgendwann in den 70ern hatte die gesammelte internationale Architektenschaft eine böse Ahnung. Noch war man fleißig und erfolgreich dabei Hochhäuser in Kathedralen einer postindustriellen „consumers reality“ zu verwandeln, aber je mehr es davon gab, um so drängender wurde die Frage, was man danach machen sollte. Etwa Architektur nur noch als öde Pflichterfüllung, ganz ohne den transzendierenden Glanz ästhetischer Innovationskraft? Undenkbar! Aber das Grübeln währte nicht lange. Die beginnende Post-Moderne und ihre selbstvergessene, ornamentale Zitatenseligkeit produzierte einen Hunger nach Bildern, der seinerseits in eine etwas nebulöse, gleichwohl aber massive öffentliche Sehnsucht nach repräsentativen Repräsentationsbauten für die Kunst mündete.

Die Architekten konnten aufatmen. Vor ihnen tat sich ein Tummelplatz auf, der glänzender ihren Bedürfnissen gar nicht hätte entgegenkommen können: Der Kunst-Ort als Kunst-Werk. Die Gleichung war zu verführerisch, als daß man sie nicht sofort, auftrumpfend und selbstherrlich umgesetzt hätte. Nur kein Blick zurück, etwa auf das 19. Jahrhundert und seine (überwiegend) maßvolle Baupolitik, bei der Museumsarchitektur noch auf jede direkte Konkurrenz zur Kunst verzichtete. Jetzt lautete die Devise: Weshalb sollten wir uns eigentlich damit begnügen, nur die Sichtbarwerdung von Kunst unterstützen, wenn wir doch selbst Kunst bauen können….

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