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Ausstellungen: Frankfurt a.M. · S. 313 - 314
Ausstellungen: Frankfurt a.M. , 1988

Renate Puvogel
Niele Toroni

Portikus, 8.5.-12.6.1988

Eine Karo-Acht flattert den Sommer über vor dem Hamburger Bahnhof in Berlin. Sie ist der luftige Beitrag von Niele Toroni für die Fahnenparade, die den Besucher der Ausstellung „Zeitlos“ im Vorhof des historischen Bahnhofs begrüßt. Toronis Fahne kam von Frankfurt angeflattert, denn zuvor war das fünfmal zweieinhalb Meter große weiße Polyestertuch mit seinen acht auf die Spitze gestellten, roten Karos quer über dem Eingang hinter der klassizistischen Säulenreihe des Portikus in Frankfurt angeheftet. Hier war sie mehr Visitenais Spielkarte, mehr Drapierung als Fahne, die rote Acht lag flach, zur Endlosschleife gewunden. Eine Fahne wird als festliches Willkommens- und Identifikationszeichen des Gastes oder Gastgebers gehißt. In diesem Falle fungiert das strahlende Tuch mit seinem gleichmäßigen Muster eindeutig als Erkennungszeichen des Niele Toroni. Und doch nicht ganz, denn die immer wieder verwendete Formulierung des fünfzigjährigen Künstlers ist das auf einer der vier Seiten stehende, in gleichmäßigem Abstand gesetzte Quadrat. Es sind „Abdrücke eines Pinsels Nr. 50, wiederholt in regelmäßigen Abständen (30 cm)“.

Vor gut 20 Jahren hatte Toroni diese farbige, regelmäßige Strukturierung zum ersten Mal verwendet. 1967 trat er gemeinsam mit Daniel Buren, Oliver Mosset und Michel Pannentier in einer spektakulären Aktion im Salon de la Jeune Peinture in Paris an die Öffentlichkeit. Die vier Künstler, die sich seit 1965 zur Gruppe BMPT zusammengefunden hatten, arbeiteten während der Vernissage am 2. Januar vor dem Publikum, um ihrem Protest gegen eine ihrer Meinung nach im Traditionellen verkümmernde Malerei Nachdruck zu verleihen. Seither gilt das Bemühen Toronis, die Malerei auf ihre…


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