Ausstellungen: Wolfsburg · von Heinz Schütz · S. 296
Ausstellungen: Wolfsburg , 2003

HEINZ SCHÜTZ

Olaf Nicolai

„Die Flamme der Revolution, liegend (in Wolfsburg)“

Städtische Galerie Wolfsburg, 10.11.2002 – 16.3.2003

Zehn Jahre nach dem Fall der Mauer wurde mit der Gläsernen VW-Manufaktur das als zukunftsweisend erachtete Modell einer transparenten Verkaufs-Fabrik von Wolfsburg nach Dresden exportiert. Was für Wohlgesonnene aussieht wie die einfühlsame Antwort des Turbokapitalismus auf die ehemalige DDR und ihr ideologisches Zentrum, den Arbeiter: Seht her, hier habt ihr ihn. Was Zyniker – wie immer der Wahrheit ein Stück näher – als Beleg interpretieren für das Verschwinden der Arbeit und ihre Kompensation durch Inszenierung, ist in Dresden Showroom der neuen Zeit und Fanal eines entfesselten Ver- und Einkaufes: Nicht das Produkt, sondern das Shopping selbst rückt zunehmend ins Zentrum einer von Werbestrategen, Verkaufs- und Eventmanagern geleiteten Life-Style-Inszenierung. In ihrem Dienst steht in Dresden auch die Inszenierung der Produktion. Mit dem Blick auf die Gläserne Manufaktur befasste sich Olaf Nicolai vor einigen Jahren mit „Die Produktion als Performance“. Am Ende seines Aufsatzes zitiert er Jeremey Rifkins, der „in der Produktion von Kultur“, die „letzte Stufe des Kapitalismus“ sieht. Die Rede von der „letzten Stufe“ ist sicherlich euphemistisch und wohl auch die von „Kultur“, aber die totalisierende Tendenz, die, wie Nocolai schreibt, „alle gesellschaftlichen (…) Beziehungen als Marktbeziehungen verwirklicht“ ist unübersehbar.

Als nun die VW-Stadt Wolfsburg Olaf Nicolai ihren Kunstpreis verlieh und ihn zu einer Ausstellung einlud, nutzte der gebürtige Hallenser die Gelegenheit, sich für den Export aus dem Westen mit einem Export aus dem Osten zu revanchieren. Er erstellte eine Rekonstruktion von Siegbert Fliegels „Flamme der Revolution“, ein…

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