Titel: Das Magische II · von Klaus Neumann-Braun · S. 150
Titel: Das Magische II , 2003

KLAUS NEUMANN-BRAUN

Von unsichtbarer Macht gebannt – Magische Rezeptionslenkung im Neuen Thriller

1. EINLEITUNG

Aufführungen in Theater und Film basieren darauf, dass sich Zuschauer für eine gewisse Zeit einem Illusionierungsprozess überlassen. Diese Inszenierungen stellen keine Vis-à-vis-Interaktionen dar, sondern stehen in einem spezifischen institutionellen Kontext. Filmpragmatiker denken hier an das Modell eines kommunikativen Kontrakts zwischen Kommunikator und Adressat, das sich für den Fall des Kinos am einfachsten mit dem Beispiel des Genrefilms verdeutlichen lässt: Beide Seiten – Produzent wie Rezipient – orientieren sich an einem gemeinsam geteilten Genrewissen. Der ökonomische und symbolische Tausch ist geregelt, die Erwartungen sind klar umrissen. Das Rezeptionsvergnügen ist berechenbar, aber auch begrenzt: die kleinen Fluchten aus dem Alltag verlaufen kontrolliert (Wulff, 2001). Anders stellt sich der Fall dar, wenn die Genregrenzen geöffnet werden, Genres sich also entgrenzen und ein spezifisches Crossing Over, d.h. eine Genrehybridisierung in Szene gesetzt wird. Der Rezipient überlässt sich dann einem Geschehen, das ihm nicht von vornherein bekannt ist. Er geht ein Wagnis ein, von dem er nicht wissen kann, wohin es führt. Vielleicht sollte man hier in Abgrenzung zum Kontrakt-Modell von einem Pakt mit dem Vergnügen sprechen: Man lässt sich auf ein Illusionierungsgeschehen ein, in dem Bekanntes mit Bekanntem in ungewohnt neuer Weise komponiert wird. Was zunächst harmlos beginnt, mündet schnell in desorientierende Verrätselung und Irritation – die beste Voraussetzung für ein unerwartetes Rezeptionsabenteuer. Was ein Kontrakt verregelt, bleibt beim Pakt offen: Man paktiert mit dem ,Teufel‘ Vergnügen und was in der Folge passiert, bleibt zu erfahren und hängt im besonderen auch vom Denken…

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