Ausstellungen: München · von Cornelia Gockel · S. 350
Ausstellungen: München , 2004

CORNELIA GOCKEL

Partners

Haus der Kunst, München, 7.11.2003 – 15.4.2004

Merkwürdig klein sieht er aus. Kniend, mit einem grauen Tweedanzug bekleidet, die Hände zum Gebet gefaltet, wirkt er verloren wie ein kleiner Junge zwischen den nackten, hochaufragenden Wänden der monumentalen Architektur. Mit der Skulptur „Him“ von Maurizio Cattelan aus der Sammlung von Ydessa Hendeles ist Adolf Hitler in das Haus der Kunst nach München zurückgekehrt. Am 18. Juli 1937 eröffnete er hier die erste „Große Deutsche Kunstausstellung“ mit Werken deutscher Künstler, die dem Ideal der Nationalsozialisten entsprachen. Eigens für diesen Zweck hatte Paul Ludwig Troost den monumentalen Bau am Englischen Garten errichtet. Nur ein paar hundert Meter weiter eröffnete einen Tag später in den Arkaden des Hofgartens die berüchtigte Schau „Entartete Kunst“, bei der in deutschen Museen beschlagnahmte Werke moderner Künstler wie Kandinsky, Kirchner und Kokoschka verfemt wurden.

Die Rückkehr Hitlers als kniende kindliche Person ist ein Triumph für die Kunst in doppelter Hinsicht, denn sie ist eng mit der persönlichen Geschichte der jüdischen Sammlerin verbunden. Ydessa Hendeles wurde 1948 als Kind jüdischer Eltern in Deutschland geboren. Obwohl ihre Eltern den Holocaust überlebt hatten, blieb die Geschichte der Verfolgung und Ermordung der Juden durch die Nationalsozialisten in ihrer Familie präsent. Nach der Übersiedlung nach Kanada wuchs Hendeles in Toronto auf, wo sie 1980-1988 erfolgreich eine Galerie betrieb, die kanadische Künstler wie Jeff Wall, Jana Sterbak oder Rodney Graham international bekannt machte. Parallel dazu entstand eine umfangreiche Sammlung zeitgenössischer Kunst mit dem Schwerpunkt auf Fotografie. Bei ihrer Sammeltätigkeit beschränkte sich Hendeles jedoch nicht nur auf…

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