Ausstellungen: Kiel , 2015

Jens Rönnau

playing future

Kunsthalle zu Kiel, 27.4. – 13.9.2015

Man kennt ihn als Meister des trompe-l’oeil: den französischen Künstler Pierre Delavie, der in seinen Monumentalgemälden augenzwinkernd schon ganze Stadtbilder veränderte. Jetzt hat er sich am über hundert Jahre alten Komplex der Kieler Kunsthalle zu schaffen gemacht, hat die Fassade mit einem 150-Quadratmeter messenden Riesengemälde überzogen, als sei es direkt auf das Gebäude gemalt, als sei die Wand aufgebrochen und gäbe einen Blick ins Innere frei: eine futuristische Hochhausstadt mit schwebenden Autos. Spielerisch haben sich viele Kreative auf Umgestaltungen oder Fragen zur Zukunft eingelassen. „playing future“ lautet daher das Motto, unter dem das Museum zu einer Schau mit 11 Künstlern und zwei Künstlerkollektiven eingeladen hat.

Aber weniger um Zukunftsvisionen geht es in der Schau: „Wir haben viel eher gefragt: Was für Bildmittel, was für Bilder gibt es, um mit der Idee des abstrakten Zukünftigen umzugehen?“, erklärt Kunsthallendirektorin Anette Hüsch. Und da ist die Palette der Möglichkeiten natürlich breit – ob nun mit täuschender Fassadenkunst oder, geschickten Videoanimationen oder verblüffend einfachen technischen Installationen.

Zunächst geht es im Innen des Museums nüchterner weiter: Carsten Höller zeigt ein weiß-rosafarbenes Kinderstrickjäckchen, die Knöpfe des Strick-Objektes bilden von oben nach unten gelesen das Wort „Zukunft“. Das lässt Optimismus ahnen, steckt doch in den Kindern ein wesentlicher Teil unserer Zukunftshoffnungen. Doch als wäre die Idee des verschmitzten Höller selbst, wird solch positives Ahnen jäh gestoppt von der nüchternen digitalen Uhr des Nasan Tur gegenüber der Babykleidung: Er hat die statisch errechnete Dauer seines Lebens in eine digitale Uhr einprogrammiert –…

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