Magazin · von Rainer Metzger · S. 386
Magazin , 2005

Rainer Metzger

Relektüren

16. Folge

„In allen diesen Beziehungen ist und bleibt die Kunst nach der Seite ihrer höchsten Bestimmung für uns ein Vergangenes. Damit hat sie für uns auch die echte Wahrheit und Lebendigkeit verloren und ist mehr in unsere Vorstellung verlegt, als daß sie in der Wirklichkeit ihre frühere Notwendigkeit behauptete und ihren höheren Platz einnähme.“ In diese durchaus gewundenen Formulierungen kleidet sich ein Gedanke, den man besser in seiner Sparversion, nämlich als „das Ende der Kunst“, kennt. Georg Wilhelm Friedrich Hegel, der hier nach der Ausgabe seiner „Ästhetik“ Frankfurt 1970, Bd. I, S. 25, zitiert wurde, hat damit vielfältig prunken können und einer, seiner, unserer Epoche, der Moderne, die sich von den letzten Dingen sehr dezidiert verabschiedet hat, um sich den ersten zuzuwenden, eine spannende Aufgabe zugedacht: das Weiter zu denken. Denn natürlich, und das betonen alle, die sich mit Hegels Diktum beschäftigen, wird weiterhin Kunst gemacht.

Mitte der Achtziger war ein Buch erschienen und hatte gleich für Furore gesorgt, in dem per Cover eine Finissage angezeigt wurde. „Trauer der Vollendung“ stand darauf zu lesen, vom Torso des Belvedere begleitet, griffig, seinerseits einen Hegel-Spruch benützend, und vom Höhepunkt, Abschluss, Ende kündend. Mit der dritten Auflage wurde dann, das liebt die Moderne von jeher, auch eine „Geburt“ in Aussicht gestellt, nämlich jene der „Kulturkritik“. Nach der Finissage kommt die Vernissage. Den katastrophischen Achtzigern wurde nunmehr schon im Titel die Integrationsformel nachgereicht, und tatsächlich geht es dem Buch mindestens so deutlich um einen Anfang wie um ein Ende. Gut treuhänderisch mit dem Erbe…

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