Ausstellungen: Basel , 1996

Stephan Berg

Robert Gober

Museum für Gegenwartskunst, 28.10.1995 – 28.4.1996

Robert Gobers Welt, in der alles unerbittlich um den Körper kreist – der andererseits, wenn überhaupt, nur in fragmentierter Form auftaucht – besteht aus Spülbecken, Abflüssen, scheinidyllischen Waldtapeten mit vergitterten Fenstern oder Kaminfeuer, in denen wächserne Kinderbeine brennen. Eine ungesunde Giftigkeit liegt nahezu immer über Gobers Szenarien. Die häusliche Heimeligkeit, die viele seiner Arrangements auf den ersten Blick auszustrahlen scheinen, verwandelt sich bei näherer Betrachtung in eine saugende, nachtschwarze Bodenlosigkeit, die einem die Luft abzuschnüren droht. Immer gilt dabei: Je harmloser die Dinge auftreten, um so nachhaltiger ist die Wirkung, die sie entfalten.

Meisterhaft hat Gober diese Regel vor allem in seinen zwischen 1984 und 1986 entstandenen „Sinks“ umgesetzt, die den in New York lebenden Künstler schlagartig berühmt gemacht haben. Die aus Gips und Holz handgefertigten und mit Emailfarbe bemalten Spülbecken sind so etwas wie der Nukleus, aus dem sich das gesamte, bis heute entstandene Werk Gobers ableiten läßt. Als Plätze, an denen das Schmutzige gereinigt wird, sind sie Orte des Übergangs, der Transformation, die metaphorisch auf gesellschaftliche und sexuelle Verdrängungsmechanismen anspielen, ohne sie konkret zu benennen. Als Objekte, „die mit dem eigenen Körper vervollständigt werden“ (Gober) erweisen sich die „Sinks“ als perfekte Kippfiguren. Sie zielen über ihre ursprüngliche Funktion und ihre deutlich anthropomorphe Ausstrahlung auf den Menschen, den sie gleichwohl präzise aussparen. Ihr glattes, kühles Äußeres verweist auf die anonymisierten industriellen Produktionsstandards, die über die liebevoll-handgearbeiteten Unregelmäßigkeiten wieder unterlaufen werden. So erscheinen die „Sinks“ nicht mehr als Objekte, sondern als Individuen, die uns…

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